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#sportstory

Die Blasen, die saßen

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Die Blasen, die saßen | story.one

Schon seit Jahren gehen wir mit Freunden und den Brüdern meines Freundes am Silvesterabend aufs Heimkehrerkreuz. Dieses Kreuz erinnert an die gefallenen Kriegsopfer der beiden Weltkriege und ist auch ein Dank an die Heimkehrer.

Schritt für Schritt kommt man dem Gipfel näher. Dabei hängen wir entweder einfach unseren Gedanken nach oder führen heitere Gespräche.

Oben angekommen, gibt es, wie könnte es auch anders sein, mitgebrachtes Bier und selbstgemachte Liköre. Das ist immer ein ganz schönes Ritual.

Besonders im letzten Jahr erfüllte es mich mit ein klein wenig Stolz, das Kreuz erreicht zu haben. Geht es doch recht hurtig hinauf und hab ich im letzten Jahr eine schwere medikamentöse Therapie hinter mich gebracht und viel Zeit stationär im Krankenhaus verbringen müssen. Ich war also nicht gerade fit wie ein Turnschuh, ja, so kann man das sagen.

Es war für mich also etwas ganz Besonderes, dass ich mich an diesem Tag ins Gipfelbuch eintragen konnte.

So saßen wir eine Weile da und hatten unseren Spaß. Irgendwann traten wir dann aber natürlich den Abstieg an. Schließlich wollten wir ja noch Fondue essen.

Ich stand von der Bank auf und machte die ersten Schritte. Höllische Schmerzen durchfuhren meinen Körper. Ich hatte in meinen gefütterten Winterwanderschuhen ordentliche Blasen bekommen. Tapfer aber führte ich meinen Weg fort. Was wäre mir auch anderes übrig geblieben? Kurzzeitig überlegte ich, die Schuhe auszuziehen und barfuß zu gehen. Dann aber hätte ich mir wahrscheinlich im harmlosesten Falle eine Erkältung geholt. Das wollte ich nicht riskieren. Die Jungs hatten angeboten, mich zu tragen. Ich lehnte anfangs erst ab. War mir das doch wirklich zu blöd. Also humpelte ich schmerzverzerrt weiter. Bis es halt dann irgendwann gar nicht mehr ging und ich das Angebot der Jungs, mich abwechselnd zu tragen, dann doch dankend annahm. Ich halte wirklich viel aus, aber das war dann doch "too much". So trugen mich die Männer also "Hucke-Pack" oder auf den Schultern runter. Anfangs war es noch recht peinlich und unangenehm für mich. Doch irgendwann hatte ich es dann doch recht lustig auf den Rücken der Männer und trällerte fröhlich vor mich hin. Wohl nicht zuletzt wegen des leckeren Nußlikörs, den ich genossen hatte. Bis er dann mal ausgerutscht ist, der Christoph, mit mir auf den Schultern. Da verging mir dann das Lachen zumindest kurzzeitig ein wenig.

Nach ungefähr doppelter Gehzeit haben wir dann das Tal heil erreicht.

Die Blasen haben mich dann noch einige Tage ins neue Jahr hinein begleitet.

Ich freue mich sehr darauf, auch heuer wieder hinauf zu marschieren. Ganz besonders, weil es dann ein Jahr ohne Wiedererkrankung war. Aber noch ist es ja nicht vorbei, das Jahr. Man soll es ja nicht vor dem Ende loben.

Doch meine starken, hilfsbereiten Jungs, die darf ich schon jetzt noch einmal loben und einfach Danke sagen. Ich verspreche euch, ihr Lieben: „Dieses Jahr wähle ich ein anderes Schuhwerk.“

© Kristina Fenninger 2019-11-16

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