skip to main content

Die heutige Jugend

  • 177
Die heutige Jugend | story.one

Vor ein paar Wochen ging ich in der Abendsonne mit meinem Hund über eine Wiese. Über eine gemähte natürlich. Versteht sich ja von selbst. Ich drehte mich um und erblickte ca. 100 Meter von uns entfernt den Bauern. Vom Sehen her kenne ich ihn. Er winkte mir. Zumindest dachte ich das zuerst und winkte freundlich zurück. „Nein“, schrie er. Jetzt merkte ich, dass seine Bewegung mir signalisieren sollte, dass wir aus seiner Wiese verschwinden sollen.

Heute war ich mit dem Auto unterwegs von Deutschland nach Österreich. Ich hörte YouTube mit Kopfhörer. Von “Living next door to Alice“, das jetzt tagelang bei mir in Dauerschleife rauf und runter gelaufen ist, bin ich jetzt umgestiegen auf “Die Toten Hosen“.

Fröhlich trällerte ich mit. Plötzlich läutete mein Handy. Ich hob ab. Eine Freundin war dran. Ich freute mich. Schließlich stand schon länger ein Plausch mit ihr auf meinen Plan. Ich fuhr rechts ran. Ein klein wenig in die Wiese eines Bauern.

Nach einer geraumen Zeit sah ich drei junge Burschen auf dem Rad auf mich zukommen. Ich beobachtete sie schon eine Zeit lang. Waren sie doch davor bei den Kühen im nahen Stall. Je näher sie mir kamen, desto langsamer wurden sie. Auf Höhe meines Autos blieben sie ganz stehen. „Oweih, jetzt bekomme ich Ärger, weil ich in der Wiese stehe“, waren meine ersten Gedanken. Einer der drei zeigte erst mit den Daumen nach oben und dann nach unten. „Was will der?“, dachte ich mir und öffnete die Tür. Freundlich begrüßten mich die drei und wollten wissen, ob es mir eh gut geht. Erfreut bejahte ich. „Ist Ihnen der Sprit ausgegangen? Ich bringe Ihnen welchen!“, sagte einer. „Aber Nein“, erwiderte ich dankbar und voller Freude über so viel Hilfsbereitschaft. „Darf ich hier noch ein wenig stehen bleiben?“, fragte ich. „Wisst's eh, wenn Frauen quatschen, dann kann das ein bisschen dauern!?“, fügte ich hinzu. „Aber natürlich. Gut, dass sie stehen geblieben sind und nicht unter dem Fahren telefonieren. Das wäre sehr schlecht. Ich habe auch schon den Führerschein und weiß, dass man das nicht tut“, sagte er voller Stolz. Ich musste lächeln.

Jetzt soll nochmal jemand eine Verallgemeinerung über die heutige ach so schlechte Jugend aufstellen.

© Kristina Fenninger 2019-10-12

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.