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#mitabstandbestehilfe

Die Lösung liegt in uns

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Die Lösung liegt in uns | story.one

Bevor ich das erste Mal zu ihr, also zu meiner Psychotherapeutin ging, erwartete ich mir, dass sie mir Tipps geben wird, was ich tun kann, damit ich keine Angst mehr vor einer Wiedererkrankung haben werde. Viele Wochen nämlich begleitete mich diese Angst. Ich hoffte, dass sie mir gut zureden und sagen würde, dass ich ja eh keine Angst haben brauche und dass bestimmt alles gut werden wird. Aber das tat sie nicht. „Für was gehe ich dann überhaupt da hin?“, überlegte ich und wollte erst gar kein zweites Mal mehr zu ihr. Doch ich entschied mich um und suchte sie ein zweites Mal auf. Und auch dieses Mal sollte nicht das letzte Mal gewesen sein. Noch heute bin ich bei ihr und erzähle ihr, was mich gerade beschäftigt. Und Angst vor einer Wiedererkrankung habe ich jetzt eher selten als meistens.

Jetzt weiß ich auch, dass Tipps, und sind sie auch noch so gut gemeint, oftmals gar nichts helfen. Jeder Mensch ist anders. Was dem einen hilft, kann für einen anderen ganz falsch sein. Doch durch ihr geschicktes Fragen hat mich meine Therapeutin auf so viele Dinge gebracht oder mir einfach durch ihr Zuhören sehr geholfen. So manches Mal während ich redete, fiel mir nämlich dann gleich selbst eine passende Lösung für mein Problem ein. Und das nicht nur meine Krankengeschichte betreffend. Ich schätze sie sehr und bin ihr dankbar für die für mich sehr wertvolle Zeit, die ich bei ihr verbringen darf.

Meine soziale Ader führte oft dazu, dass ich Menschen Tipps gegeben habe: „Mach das doch so!" Oder "Tu doch das!“ Ich wollte helfen und meinte es gut. Doch heute weiß ich, dass man auf alles (oder zumindest das meiste) selbst darauf kommen muss. Dass etwas, das mir hilft, für einen anderen noch lange nicht gut sein muss.

Ich versuche jetzt Menschen nur dann meine Meinung zu sagen, wenn sie mich gezielt danach fragen. Außer es betrifft mich selbst direkt, zum Beispiel wenn mich jemand verletzt. Dann spreche ich das unmittelbar aus (beziehungsweise versuche ich es. Ist ja auch nicht immer ganz einfach).

Auch weiß ich heute, man kann niemandem helfen, dem gar nicht geholfen werden will. Doch wenn man mich braucht, so bin ich stets und meist sehr gerne da. Und höre so manches Mal einfach nur aufmerksam zu.

© Kristina Fenninger 2019-12-22

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