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#schulgschichtn

Die Tonschale

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Die Tonschale | story.one

Handarbeiten in welcher Form auch immer war wahrlich nicht meine StÀrke in der Schule.

Meine Werklehrerin trieb ich nicht nur einmal fast in den Wahnsinn. Das beruhte aber auf Gegenseitigkeit. Sie mich nÀmlich auch.

Ich mochte sie nicht. Behandelte sie mich doch von oben herab. So zumindest wirkte das auf mich.

Einmal mussten wir die Borte, (ja, ich glaube, so nennt man das) eines Handtuches besticken. Ich wollte einfach nicht kapieren, wie der Stich funktioniert.

Fast im Minutentakt stand ich vorne bei ihr am Pult, damit sie mir zum keine Ahnung wie vielten Male zeigte, wie der Stich funktioniert.

Gut, dass ich sie damit an ihre Grenzen gebracht habe, kann ich im Nachhinein sogar verstehen.

Öfter hab ich mir gedacht, jetzt hab ich's, aber dem war dann eben doch nicht so. Meine Borte blieb fast leer. Welche Note ich dann dafĂŒr bekommen hab? Ich weiß es nicht mehr.

Ein anderes Mal stand Töpfern auf dem Plan. Und zwar eine Schale. Mein Rand wollte einfach nicht glatt werden. Er wurde wirklich sehr hĂŒgelig und rissig. Schaut irgendwie aus, als stehen lauter Fetzen weg. Ich Ă€rgerte mich sehr und war traurig. Ich fĂŒhlte mich schlecht, mein Selbstbewusstsein war im Keller. Gelang es doch meinen MitschĂŒlern viel besser als mir!

Einige wurden sehr gelobt fĂŒr ihr Tun.

Als das Werk dann fertig geschliffen (in meinem Fall gab es nicht wirklich etwas, was man hĂ€tte zu Recht schleifen hĂ€tte können) und glasiert war, wurde es natĂŒrlich benotet. Gerade als meine SchĂŒssel an der Reihe war, kam die Kollegin meiner Handarbeitslehrerin in unser Klassenzimmer. Meine Lehrerin zeigte ihr mein Werk und fragte sie vor der ganzen Schulklasse: „Was meinst Du, mehr als wie ein FĂŒnfer (eine FĂŒnf ist in Deutschland nicht die schlechteste Note, da gibt es auch noch eine Sechs) ist das nicht?“ Die Kollegin gab ihr recht.

So stand ich also vorne. Ich war dem Ganzen völlig ausgeliefert. Die ganze Klasse blickte auf mich. Wie ich mich fĂŒhlte, glaub ich, kann man sich gut vorstellen. Ich schĂ€mte mich sehr und war sehr traurig.

Heute bin ich stolz auf meine Tonschale. Es muss nicht immer alles so gerade und exakt sein. Auch ein schief gewachsener Baum zeigt sehr viel Charakter.

Vielleicht sogar mehr als ein Gerader?

© Kristina Fenninger 2019-06-24

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