skip to main content

#humorvoll#kunterbunt

Die Umkehr

  • 137
Die Umkehr | story.one

Sie war ca. fĂŒnf Jahre alt, als sie mit ihrer Oma in die Kirche ging. Wenn der Pfarrer die Arme ausbreitete, stand sie auf und tat es ihm gleich.

Als es in der Schule ein paar Jahre spĂ€ter ein Marienbild zum Ausmalen gab, gestaltete sie es liebevoll und dekorierte damit den Altar in ihrem Zimmer. GeschmĂŒckt war dieser außerdem mit Kerzen, Murmeln und frischen Wiesenblumen.

Der Rosenkranz am Montagabend in der Dorfkapelle war ihr Fixpunkt in der Woche. Jugendlich organisierte sie mit ihrer Lieblingscousine eine Maiandacht. Die selbst gebastelten Marienbilder wurden verkauft und Spenden fĂŒr einen guten Zweck gesammelt. Eine wirklich tolle Sache!

Die Kirche und der Glaube gaben ihr Halt – damals.

Es war an einem Aschermittwoch, als sie mit der gesamten Klasse den Schulgottesdienst besuchte. An diesem Tag bekommt man von der Asche der verbrannten PalmbĂŒsche vom Vorjahr ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Sie als glĂ€ubige Katholikin durch und durch freute sich sehr darauf. Als der Pfarrer die SchĂŒler aufforderte sich anzustellen und zu warten, bis sie an der Reihe waren, wurde sie etwas nervös. Genauso, wie am Sonntag immer, wenn sie sich fĂŒr die Hostie anstellte. Sie war immer etwas unsicher und wusste nicht genau, wie sie sich verhalten sollte.

Als sie dann an der Reihe war um das Kreuz zu empfangen, sagte der Pfarrer "Kehre um". Und weil sie halt gehorchen wollte, tat sie das auch, noch ehe sie das Aschenkreuz erhalten hatte. Danach aber wurde ihr klar, dass der Pfarrer das mit seinem "Kehre um" halt doch anders gemeint haben musste. Ganz furchtbar peinlich war ihr das dann. So sehr, dass sie sich, wenn dieser Pfarrer den Sonntagsgottesdienst hielt, gar nicht mehr anstellte, um die Hostie zu erhalten.

Und irgendwann passierte das, was ihr die Worte „Kehre um“ in den Kopf gesetzt hatten. Sie machte tatsĂ€chlich eine Umkehr und drehte der Katholischen Kirche den RĂŒcken zu.

Sie mag Vielfalt und Weite und keine Engstirnigkeit. Sie mag Vertuschungen ebenso wenig wie vorgespielte Scheinheiligkeit. Sie liebt ein buntes Leben und nicht ein aschegraues.

NatĂŒrlich aber will sie keine Verallgemeinerung aufstellen. Sehr wohl gibt es unter den Mitarbeitern der Kirche viele, die hervorragende Arbeit fĂŒr den Menschen leisten. Sehr wohl gibt es viele GlĂ€ubige, die ihren Glauben wahrhaft leben. Doch man muss in einem aktiven Leben fĂŒr sich selbst wichtige Entscheidungen treffen. Und fĂŒr sie war es richtig zu gehen.

© Kristina Fenninger 2021-02-17

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.