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Drei Jahre

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Drei Jahre | story.one

Puh, da fiel es mir tagelang schon sehr schwer mich zu entscheiden. Am 14. April 2018 nĂ€mlich war die relativ spontane kirchliche Hochzeit meiner Schulfreundin. Gleichzeitig hatte ich aber Karten fĂŒr das Wanda Konzert in Innsbruck. Obwohl meiner Schwester die Band nicht so gut gefĂ€llt, wollte sie mir eine Freude machen. Sie kaufte Konzertkarten fĂŒr uns beide. Was nun?

So entschied ich mich, vormittags die Hochzeit und am Abend das Konzert zu besuchen. KĂ€seweiß und mit starken Schmerzen am ganzen Körper, welche ich auf die Psyche schob, sagte mir doch der Zahnarzt, dass mein Zahnweh seelischer Natur sei, las ich meine FĂŒrbitte vor.

Nachmittags machte ich mich mit meiner Schwester auf den Weg in die Berge. Wir bezogen unser Hotel, und die Schmerzen wurden immer stĂ€rker. Andrea massierte meinen RĂŒcken. Es half alles nichts.

Trotzdem machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Ich trank alkoholfreies Weißbier und aß, obwohl ĂŒberhaupt keinen Appetit, eine Frittatensuppe. Dann spazierten wir in Richtung Olympiahalle, wo das Konzert stattfand. Auf den Weg dorthin trafen wir zwei Freunde, die ebenfalls auf den Weg in Richtung Musikspektakel waren. Endlich ging es los. Wanda betrat die BĂŒhne! Bei manchen Liedern konnte ich nicht anders. Wie verrĂŒckt sprang ich herum, um wenige Minuten spĂ€ter vor Erschöpfung am Boden zu sitzen. Wenn ich an diesen Tag zurĂŒckdenke, werden GefĂŒhle in mir wach, welche es nicht möglich sind, in Worte zu fassen. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich das ausgehalten hatte. Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem Tag noch nicht wusste, was mir bevorstand.

Sechs Tage spÀter bekam ich meine erste Therapie. Ein Kampf begann.

Aus dieser Zeit habe ich eine sehr liebe Freundin gewonnen. Am 27. MĂ€rz dieses Jahres erfuhr ich dann, dass diese Freundin am Tag zuvor in den Armen ihres Mannes fĂŒr immer eingeschlafen war. Ich war sehr traurig und wusste nicht recht, wie ich mit meinen GefĂŒhlen umgehen sollte. Ich weinte fĂŒrchterlich und spĂŒrte eine Hand auf meinem RĂŒcken. Zugleich war ich, und bin es natĂŒrlich auch heute noch, dankbar fĂŒr die schönen und lustigen Momente, die ich mit ihr verbringen durfte. Ich trage sie in meinem Herzen, bis wir eines Tages im Himmel Prosecco trinken. Hoffentlich dauert das noch lange!

Einen Tag nachdem ich von ihrem Tod erfahren hatte, hielt ich zum ersten Mal das Baby meiner Freundin, welche heute ihren dritten Hochzeitstag feiert, im Arm.

Wie nah Freud und Leid doch manchmal beieinanderliegen!

© Kristina Fenninger 2021-04-14

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