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#wochenende#einfotoundseinegeschichte#magic

Ein Stern, der keinen Namen trägt

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Ein Stern, der keinen Namen trägt | story.one

Kein Hut und kein Wackeldackel ziert die Hutablage meines Autos, und 99 1/2 Jahre bin ich auch noch nicht ganz. Trotzdem unternehme ich sonntags gerne eine Kaffeefahrt ins Grüne, was in meinem Fall vielmehr eine Fahrt in den Schnee ist. Anstatt Kaffee gibt es heißen alkoholfreien Punsch, verfeinert mit Zimt und Vanille, aus der Thermoskanne.

Hier und da mache ich einen Halt und lasse mir ein paar Strahlen von der derzeit so raren Sonne ins Gesichtchen scheinen. Zwecks Vitamin D natürlich, dem Glückseligkeitsvitamin. Außerdem habe ich einen übrig gebliebenen Mann in Form eines Lebkuchens dabei, der darauf wartet, endlich vernascht zu werden. Die Mütze des Mannes baumelt natürlich nicht, dafür aber meine Seele umso mehr.

Verträumt fahre ich durch die Gegend. Der Schnee glitzert und die Dire Straits dröhnen aus den Boxen.

Plötzlich, ganz plötzlich, sehe ich im Schnee etwas hervorspitzen. Ich verringere das Tempo meines Wagens. Jetzt bin ich eine typische Sonntagsfahrerin! Hinter mir Gehupe! Ich fahre links ran, und das Auto mitsamt wild gestikulierendem Driver fährt an mir vorbei. Schade, dass er schon weg ist, sonst hätte ich ihm einen Lebkuchen geschenkt, vielleicht hätte der seine Nerven etwas beruhigt.

Ich will jetzt dem, das da zwischen dem glitzernden Weiß hervorblitzt, auf die Spur gehen. Allerdings ist der Schnee im Gegensatz zu meinen Schuhen zu hoch. Also beschließe ich kurzerhand, oder besser gesagt, kurzerfuß, barfuß durch den Schnee zu laufen. Das tut gut.

Je näher ich dem Teil komme, desto sicherer bin ich mir, dass es sich um einen Luftballon handeln muss. Das Kind in mir freut sich, und ich sehe mich schon beim Zurückschicken der angehängten Karte. Schon öfter habe ich Ballone gefunden, welche eine Karte mit der Bitte um Rücksendung dran hatten. Ich habe sie dann immer zurückgeschickt und mir detailliert ausgemalt, wie sich der Empfänger darüber freuen wird.

Zwar ist der Stern tatsächlich ein Ballon, doch leider kann ich keine Karte daran finden. Trotzdem freue ich mich über meinen Fund und nehme ihn mit ins Auto. Er will nämlich nicht mehr weiterfliegen. Ich aber fahre mit ihm weiter und nach einigen Kilometern probiere ich erneut, ihn freizulassen. Und was soll ich sagen, er fliegt jetzt tatsächlich davon. Die Heizung hat sein Gas erwärmt. Adieu mein Stern, der du keinen Namen trägst! Vielleicht tauft dich ja noch jemand. Vielleicht ein Nik P. oder ein DJ Ötzi.

Ich fahre nach Hause und wärme mich, insbesondere meine Füße, auf. Dann mache ich es mir gemütlich und chille die Basis. Für alles Andere nämlich habe ich heute keinen Stern mehr.

© Kristina Fenninger 2021-01-30

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