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#freundschaft#stadtsalzburg#trotzdemlustig

Eine kleine saure Nachtmusik

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Eine kleine saure Nachtmusik | story.one

Was ich am besten kann, willst du wissen? Hhmm, also ich glaube, dass ich ja wirklich eine ganz brauchbare Restaurant-, Weinbar- und CafĂ©haus-Testerin abgeben wĂŒrde. Ich wĂŒrde dann quasi eine meiner grĂ¶ĂŸten Leidenschaften zum Beruf machen. Ich liebe es, meinen Gaumen verwöhnen zu lassen. Bissen fĂŒr Bissen, Schluck fĂŒr Schluck koste ich aus. Dabei bin ich schon immer kritisch, wobei es nicht so schwer ist, meine Geschmacksknospen zufriedenzustellen. Viel Geld wĂŒrde ich mir sparen, wenn ich als solche Testerin eine Anstellung finden wĂŒrde. Ich wĂŒrde dann sogar Geld bekommen dafĂŒr, was könnte mir Besseres passieren? Wohl nicht viel!

So kommt es, dass meine Freundin und ich bei unserem MĂ€dels-Ausflug am Shoppingmittwoch auch hier und dort immer wieder einen Halt machen, um ein GlĂ€schen Prosecco oder ein Kaffeetschi zu schlĂŒrfen. Wie schön, dass sie auch eine Genusswurzel durch und durch ist.

Komm, wir gehen ins CafĂ© Mozart, meint sie. Ja, da war ich eh noch nie. Sehr gerne gehe ich dort hin, wo ich bis jetzt noch nicht war. Es ist angenehm kĂŒhl hier drinnen. Meine Kehle ist ausgetrocknet von der Hitze. Ich bestelle ein Soda-Zitron. Danach mache ich es mir ganz gemĂŒtlich im Sessel. Meine vom TĂŒten schleppen verspannten Muskeln entspannen sich augenblicklich. Ich lausche der klassischen Musik, die aus den Boxen tönt. Sag mal, von wem ist denn die Musik, frage ich meine Freundin, gerade als mir der Herr Ober mein sprudelndes GetrĂ€nk serviert. Mit großen Augen schaut er mich unglĂ€ubig an. Ja, mei, denk ich mir. Man kann halt nicht alles wissen. Ist ja schön, wenn man sich weiterbilden will.

Kristina, sagt meine Freundin.

Ja, bitte, antworte ich.

Wo sind wir hier?

In Salzburg! Im Caféhaus!

Ja und in welchen bitteschön?

Ähh, im CafĂ©, im CafĂ© MOZART, antworte ich ihr holprig. Und dann fĂ€llt es mir wie Schuppen von den Augen. Was wird man hier wohl anderes spielen als Mozart?

Ist das etwa "Eine kleine Nachtmusik"?

Ja genau, die ist es.

Jetzt nehme ich einen großen Schluck von meinem GetrĂ€nk. Boah, ist das sauer. Da rieselt es mir ja freiweg den RĂŒcken runter.

Nun legt sie ihren Arm um mich. Wir beide lachen uns kaputt. Wieder einmal in ein FettnÀpfchen getreten. Wieder einmal!

Am Abend höre ich mir dann zum Einschlafen "Eine kleine Nachtmusik" erneut an.

Es war die letzte Serenade von Mozart.

Und mein Besuch heute im Café Mozart wird auch zumindest mein vorlÀufig letzter gewesen sein.

© Kristina Fenninger 2020-11-09

freundschaftKaffeehaus

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