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ER

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ER | story.one

Mein Gott, wie schön ist es, dass es wieder möglich ist, andere Orte und Plätze zu erkunden. Es war keine ganz große Reise, welche ich letztes Wochenende unternahm, doch immerhin ging es von Salzburg nach Graz. Ist ja schon mal nicht schlecht für den Anfang.

Ich schlenderte gerade durch die Stadt, als ich erfuhr, dass er auch da ist. Wahnsinn, was für eine Freude. Da es halt blöd kommen würde, ihn einfach mit nach Hause zu nehmen, schließlich bin ich Gast in Graz, verabredeten wir uns in einem Gastgarten. Was für ein Glück, dass ich so ganz spontan noch einen Termin zum Testen bekam.

Ehrlich, so unter uns gesagt, ich war dann schon ein wenig nervös.

Doch mein Herz hüpfte. Endlich wieder ein Gasthaus besuchen. Ich trage nicht umsonst den Spitznamen "Die Einkehrerin", und dann auch noch ihn wiederzusehen. Mehr brauchte ich nicht! Mehr brauchte ich wirklich nicht!

Ich war diejenige, die als Erste ankam. Doch gar so lange ließ auch er nicht auf sich warten.

Ganz besonders hatte er sich für mich herausgeputzt. Sein Teint war strahlend.

Bestimmt hatte er sich vorher alles ausreißen lassen, was seiner Haut auch nur den kleinsten Makel bereitet hätte. Alles an ihm war glatt wie ein Baby Popo. Ich fragte mich, ob er in letzter Zeit auch noch von etwas anderem als von Luft und Liebe gelebt hatte. Ah ja, bestimmt hatte er täglich viele Liter Wasser getrunken.

Ich durfte ihm sogar ganz nah kommen und an ihm schnuppern. Er hatte keinen Duft aufgetragen. Natürlichkeit ist ihm wohl immer noch besonders wichtig. Ich konnte nicht anders, als ihn anzuknabbern, so knackig wie er war.

"Solange du mit mir zu tun hast, werde ich dafür sorgen, dass du schön schlank bleibst", ja, das sagte er zu mir.

Weil er mir halt so ganz ohne irgendwas doch ein wenig zu fad wurde, verfeinerte ich ihn ein wenig. Mmmh, gleich viel kerniger. Und ich sage dir, er war auch erst die Vorspeise an diesem Abend. Er machte mir Appetit auf mehr, der sattgrüne frische steirische Salat.

Vielleicht hätte ich besser auf ihn hören und auf das steirische Kürbiskernöl verzichten sollen. Es machte mir nämlich hässliche grüne Flecken auf meiner schönen Jacke.

"Natur pur", ist halt noch immer am besten, sagte er zu mir. So ein Frechdachs.

© Kristina Fenninger 2021-05-26

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