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Du kriegst mich nicht....

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Du kriegst mich nicht.... | story.one

Eine lustige Geschichte wollte ich schreiben oder eine, welche euer Herz berührt. Doch beschäftigt mich derzeit etwas anderes.

Ein weißes Blatt Papier. Max. 2500 Zeichen um zu beschreiben, wie ich mich gerade fühle. Falls du mich und meine Geschichte kennst, denke jetzt nicht, dass ich wieder erkrankt bin, das bin ich nämlich nicht. Noch nicht und hoffentlich werde ich es nie.

„Das Blutbild schaut schön aus, nicht zu viele und nicht zu wenige weiße und rote Blutkörperchen“, erklärte mir die Ärztin am Mittwoch. Ich war erleichtert, doch nicht so erleichtert wie sonst immer. Vielleicht merkte ich schon, dass das noch nicht alles war.

Am nächsten Morgen rief ich die Frau Dr. an, um ein erstes Ergebnis der Knochenmarks Punktion zu erhalten. „Wir haben noch keinen Befund, allerdings wurde mir gestern noch eine Blaste in Ihrem Blut gemeldet. Eine Einzige“, sagte mir die Ärztin. Obwohl ich nicht wusste, was das genau zu bedeuten hat, war ich geschockt. „Deutet das jetzt auf ein Rezidiv hin?“, wollte ich wissen. „Es ist weder gut noch schlecht, wir müssen das Ergebnis der Punktion abwarten, melden Sie sich am Nachmittag oder morgen wieder.“

Ich ging in die Arbeit, wollte zumindest versuchen, meinen gewohnten Tätigkeiten nachzugehen. Aber ich hatte keine Kraft, keine Nerven dazu. Also machte ich mich auf den Heimweg. Ich bewältigte die Stunden der großen Angst. Mein Freund war bei mir. Auch er hatte frei bekommen.

Als ich dann am Nachmittag erfuhr, dass im ersten Befund nichts Auffälliges war, waren wir fürs Erste sehr erleichtert. Der zweite, endgültige Befund dauert immer. Das Mark wird an mehrere Stellen geschickt.

Als ich gerne wissen wollte, was denn eine Blaste ist, wollte man es mir nicht erklären. „Aber machen Sie sich keine Sorgen, wir müssen jetzt abwarten.“

„So eine starke Therapie haben Sie hinter sich“, sagte die Ärztin zu mir. „Ja“, erwiderte ich. Gerade weil ich so eine starke Chemo hinter mir habe, möchte ich das Ganze wirklich nicht noch einmal durchstehen müssen. Ich möchte nicht wieder stationär auf eine Krebsstation. Das „Eingesperrt-Sein“, das Nicht-raus Dürfen, ist wirklich ein Wahnsinn für mich.

Ich suchte meinen Hausarzt auf. Er war auf Urlaub. Ebenso wie meine Onkologin, zu der ich großes Vertrauen habe.

Alles hat derzeit einen bitteren Beigeschmack. Wörter verließen meinen Mund, die ich von mir bis dato gar nicht kannte. Ich war wütend. Mein Leben ist aus den Fugen geraten.

Doch versuche ich sehr, positiv zu bleiben. Es ist ja bis jetzt noch gar nichts passiert.

Ein Freund von mir, ein Fischer, sagte zu mir: „Wir keschern die Zelle einfach raus.“ Wie schön wäre es, wenn das ginge.

Falls wir, also du und ich, uns demnächst irgendwo treffen sollten, auf einer Lesung oder so, möchte ich darauf bitte nicht angesprochen werden. Allzu viel Platz soll nämlich eine einzige Zelle in meinem Leben nicht einnehmen. Doch bin ich sehr froh, hier darüber berichten zu können. Es tut gut und hilft mir beim Verarbeiten. Danke.

© Kristina Fenninger 2020-01-25

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