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Geschmacksorgasmus 2.0

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Geschmacksorgasmus 2.0 | story.one

Besonders für die Leser meiner Geschichte “Geschmacksorgasmus“, aber auch für alle anderen, natürlich, eh klar.

Sonntag. Normal: Essen bei Schwiegermama: Schweinekrustenbraten oder so. Oder: Essen gehen ins Wirtshaus. Weil zu faul zum Selberkochen. Letzte Woche Freitag: Immer mehr Corona Patienten. Natürlich die Gesellschaft schützen und sich selbst auch nicht gefährden wollen, schließlich Risikogruppe! Also: Freund zum Metzger des Vertrauens geschickt, mit der Bitte Schopf für Krustenbraten zu besorgen. „Krustenbraten aus Schopf“, würde meine Schwiegermutter jetzt denken, wenn sie das jetzt lesen würde. Wie gut, dass sie das nicht tut. Wenn sie fragt, wie denn der Braten geworden ist, so werde ich einfach sagen, nicht so knusprig, Bauch und Schulter waren nämlich aus, wegen Hamsterkäufen und so. Nur nicht zugeben, dass mir da ein ganz fataler Fehler passiert ist! Das wäre ja quasi die reinste Blamage für mich.

Am Anfang formte ich die Knödel als Beilagen ganz genervt, nämlich keine Lust, viel lieber chillen wollen. Doch mit der Zeit fühlten sich die runden Dinger zwischen meinen Händen gar nicht mehr so schlecht an. Fast mit einer Leidenschaft formte ich sie dann und gab sie ins kochende Wasser. Nach knapp einer Viertelstunde überlegte ich mir, ob sie wohl fertig sind, meine Knödel. Da fiel mir plötzlich ein Satz des Junior-Chefs aus meiner Lehrzeit (nein, ich habe nicht Köchin gelernt, sondern Hotelfachfrau. Eine solche muss eine Zeit auch in der Küche mitwirken! Genervtes Augenrollen meinerseits) ein: „Stich mit einer Gabel in die Knödel und halt sie dir danach an die Lippen, wenn sie warm ist, ist der Knödel durch.“ „Na ja, was soll ich sagen, ja, er war durch, aber sowas von!“ Schmerzhaft gab ich ein lautes Aua von mir. So heiße Sachen sind meinen Lippen wohl nicht gewöhnt.

Beim Zerkleinern des Krautkopfes hatte ich mir fast die halbe Fingerkuppe weggehobelt, ja, nur die halbe, ich will ja mal nicht übertreiben! Wie gut, dass noch Pflaster mit Marienkäfer drauf von meinen ehemaligen Tageskindern im Haus waren. Die hatten dann auch wirklich Glück gebracht, sodass ich einem Verblutungstod zwar knapp aber doch entkommen bin.

Rapsöl aus. Sonntag. Geschäfte zu. Olivenöl aus Italien da. Natürlich gepresst längst vor Corona Zeiten, eh klar. „Bayerischer Krautsalat mit Speck, angemacht mit italienischem Olivenöl, ein interessantes, nicht alltägliches Erlebnis für die Geschmacksknospen", dachte ich mir beim Abschmecken. Na ja, öfters mal was Neues.

Jedenfalls hab ich die Kocherei dann halbwegs gut überstanden, trotz der ganzen Unfälle und Versehen. Das Essen hatte trotz der fehlenden knackenden Kruste hervorragend geschmeckt, zwar war der Geschmacksorgasmus nicht ganz so intensiv, wie ich ihn gewohnt bin, doch fürs erste Mal Selbermachen gar nicht so schlecht, würde ich sagen.

Toll, ich entdecke meine Talente, in dieser Zeit daheim...

© Kristina Fenninger 2020-03-16

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