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Glatzkopf

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Glatzkopf | story.one

Vor meinem letzten Chemotherapiezyklus machte ich mit einer guten Freundin einen Ausflug auf den Untersberg.

Um den Tag nett ausklingen zu lassen, gingen wir noch in die Altstadt ins Afro Cafe.

Schon beim Betreten der Terrasse spĂŒrte ich, wie mich ein Typ, so ca. um die 30 wĂŒrde ich ihn schĂ€tzen, anstarrte.

Es war etwas unangenehm, doch war ich es schon etwas gewöhnt. Ich war nicht erst seit gestern MĂŒtzentrĂ€gerin im Sommer.

Meine Begleiterin und ich plauderten fröhlich und erfreuten uns an unseren leckeren GetrÀnken.

Bis mich der starrende Mann ansprach:

,,Entschuldigen Sie bitte, ich kann es nicht lassen, Sie zu fragen, warum Sie eine MĂŒtze tragen?", fragte er und blies seinen Zigarettenrauch in die Richtung meines Gesichtes.

Ich merkte, wie einige andere Besucher empört aufblickten, und ich antwortete: ,,Weil ich Krebs habe."

Darauf hin meinte er, dass er sich das schon so Àhnlich gedacht hatte und dass ihm das leid tut.

Ich konnte es nicht bleiben lassen und erzĂ€hlte ihm, dass ich das aber alles ĂŒberleben werde. Ganz sicher sogar. Nur, damit er nichts Falsches dachte.

Er war sichtlich erleichtert darĂŒber und gab mir noch irgendwelche Musikvideotipps, welche ich mir auf YouTube anschauen soll. Sie verfĂŒgen ĂŒber eine große Heilkraft, meinte er.

Ich habe fest versucht mir den Namen des Interpreten zu merken. Einfach nur, weil es mich interessiert hÀtte, was er mir da vorgeschlagen hatte. Nicht aber, weil ich daran glaubte. Aber es gelang mir nicht.

Er verabschiedete sich von uns und wĂŒnschte mir alles Gute.

Ich war schon sehr verwundert ĂŒber diese doch nicht ganz alltĂ€gliche Frage, konnte aber auch darĂŒber lachen.

Schade, dass mir in dieser Situation nicht irgend eine ganz lustige Antwort eingefallen ist.

© Kristina Fenninger 2019-06-03

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