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#stories4vienna

Hass ist keine Lösung!

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Hass ist keine Lösung! | story.one

Montag. 02.11.2020. Wie alle Jahre wieder, wenn es draußen früh finster wird und der oft zähe Nebel das Gemüt trübt, sitze ich da. Vor mir ein Stapel Bienenwachsplatten, die Dochtrolle und eine bereits fertige, brennende Kerze. Sie verströmt ihren herrlichen Duft. Ich nehme eine Platte und bereite den Docht vor. Vorsichtig forme ich nun das Wachs zu einer Kerze. Meine Gedanken sind bei den Menschen, welche ich mit einer solchen Kerze beschenken will und ihnen hoffentlich eine kleine Freude damit machen werde. Im Ofen lodert das Feuer, und ich entzünde auch in mir eine Flamme der Begeisterung, der Liebe, der Freundschaft.

Was währenddessen in unserer Landeshauptstadt geschieht, weiß ich bis dato noch nicht. Auch dort wird ein Feuer, allerdings keines von liebevollen Gefühlen, entfacht. Ein Mann schießt um sich. In der Folge sterben vier Menschen. Einige Leute werden verletzt.

Unter den Todesopfern eine Studentin, welche nebenbei als Kellnerin arbeitete. Ein letztes Mal verwöhnt sie vor dem Lockdown ihre Gäste. Dass es tatsächlich das letzte Mal in ihrem Leben ist, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt, so glaube ich jedenfalls, nicht. Menschen ziehen um die Häuser. Vielleicht um die Akkus aufzuladen, für eine doch spezielle Zeit, die uns jetzt wieder bevorsteht. Dass sie damit mit dem Leben bezahlen müssen, weiß niemand.

Der Anschlag ist gegen uns alle gerichtet. Ist es Verunsicherung und Angst, was der Todesschütze erreichen will?

Was bewegt einen Menschen, so etwas zu tun? Auch ich habe meine Ideen und Gedanken dazu. Doch ich will sie nicht äußern, nicht aufschreiben, da sie allesamt nur Spekulationen sind.

Ich zünde eine helle, gelbe Bienenwachskerze für die Opfer und die Angehörigen dieser schrecklichen Tat an.

Auch dem Täter wünsche ich, dass er dort wo er jetzt ist, seinen Frieden findet.

"Schleich di du Oaschloch!" Diesen Satz kann man derzeit überall in den Social-Media lesen. Mir gefällt der Satz überhaupt nicht. Was es tatsächlich ist, was einen Menschen zu einer solchen Tat bewegt? Auch ich habe meine Ideen und Gedanken dazu. Doch ich will sie nicht aufschreiben, da es alles nur Spekulationen sind.

Doch eines weiß ich gewiss: Auf HASS mit HASS zu reagieren ist der falsche Weg!

Vielmehr sollen wir jetzt zusammenhalten. Zusammenrücken. Vielmehr die Flamme der Empathie nähren. Dann können wir in Zukunft solche Taten vielleicht verhindern.

Natürlich möchte ich die schreckliche unglaubliche Tat keinesfalls beschönigen. Doch versuche ich zu verstehen…

© Kristina Fenninger 2020-11-07

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