skip to main content

#weltbleibwach

How are you?

  • 167
How are you? | story.one

„Hey, how are you?“, fragte mich ein Gast. Noch bevor ich mit einem „thanks, fine“, weil, selbst wenn es mir gerade "bad" gegangen wäre, hätte ich es ihm, einem mir völlig fremden Menschen, wohl nicht gesagt, antworten konnte, ergänzte er: „One Cappuccino please“. Ich stellte mir öfters die Frage, was wohl passiert wäre, wenn ich das „one Cappuccino, please“ erstmal ignoriert hätte und mit einem „thanks, bad“ geantwortet hätte.

Menschen mag ich, und ich unterhalte mich auch gerne mit mir bis dato völlig unbekannten Personen. Mein Blickwinkel wurde damit schon das eine oder andere Mal erweitert. Freundschaften sind entstanden. Auch wurde mir dadurch des Öfteren ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Aber auf Smalltalk hab ich so überhaupt keine Lust. Öfter hatte ich da dann auch schon das Gefühl, dass es mein Gegenüber gerade überhaupt nicht wirklich interessiert, wie es mir in echt geht. Auf solche “Höflichkeiten“ kann ich gerne verzichten. Ich hörte mich dann öfters „Danke, gut und dir?“ sagen, obwohl ich lieber was anderes gesagt hätte. Das fühlte sich dann so gar nicht richtig an. Fast so, als hätte ich mich selbst belogen.

Ich bin ja wirklich ein offener und meist (nicht immer) authentischer Mensch, aber ein gewisses Vertrauen muss ich schon zu jemanden aufgebaut haben, um halt auch mal zu sagen, dass es mir vielleicht gerade schlecht geht.

Klar, mein „Und dir?“, fühlte sich auch nicht immer richtig an. Ich hab es leider auch schon so manches Mal aus reiner Höflichkeit gefragt. Meist kannte ich die Antwort dann eh schon, ein lauwarmes „Danke, auch gut“. Das ist dann so ein leeres Dahingerede, ohne wirkliches Interesse am Anderen.

Bitte nicht falsch verstehen! Wie schon geschrieben, bin ich ein Menschenfreund. Doch auf so oberflächliche Gespräche und Personen hab ich so überhaupt keine Lust.

Des Öfteren antwortete ich einfach nur mit „Danke und dir?“ Da wunderte ich mich dann schon das eine oder andere Mal, wenn jemand sagte: „AUCH gut“. „HALLO? Hast du mich überhaupt gehört?“ „Hab ich gesagt, dass es mir gut geht?“ Klar, kann ja alles passieren, aber da meint man dann ja, der andere hört einen gar nicht.

Ich wünsche dir in deinem Leben Menschen mit einem wachen Geist, die sich dafür interessieren, wie es dir tatsächlich geht und es dann auch aushalten und dir zuhören, selbst wenn du sagst schlecht. Und welche, die nicht mit dem Handy spielen, während du sprichst und dir damit signalisieren, dass sie irgendwo sind, nur nicht hier bei dir.

Ich finde, es ist ein großes Geschenk, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht und ich merke, dass dieser Mensch es ernst meint mit mir. Solchen Personen gegenüber öffne ich mich gerne.

© Kristina Fenninger 2020-01-01

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.