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#baumwelten#humorvoll#muttererde

Ich habe einen Baum gepflanzt

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Ich habe einen Baum gepflanzt | story.one

Mein Ex-Freund ist ja ein leidenschaftlicher Hochbeetler. Die kleinen Tomaten Pflänzchen bekommen immer so ein Rotlicht, damit sich ihre Stängel ja schön dem Himmel emporrecken und stark genug werden, um bald in die Freiheit entlassen werden zu können. Frag bitte nicht, wie das aussieht, wenn es aus seinem Haus ganz rot leuchtet. Frag bitte nicht!

Weil er und ich uns nach wie vor recht gut verstehen, machten wir am Freitag in unserer Mittagspause eine gemeinsame Leberkäsjause. Wir zwei sind nicht mehr wie eine Brombeer- und eine Himbeerstaude, die dicht nebeneinanderstehen und ständig miteinander verästelt sind.

Nein, wir zwei sind eher wie eine Karotten- und eine Knoblauchpflanze. Sie mögen sich und helfen sich gegenseitig. Ja wirklich, auch Pflanzen können voneinander profitieren. Setzt man zwei Pflanzen, die gut miteinander harmonieren, nah zusammen, dann kann der Ertrag gesteigert werden. Ja, das sind wir jetzt. Vielleicht zwei Pflanzen, die sich gut verstehen und auf die, wenn es darauf ankommt, man sich verlassen kann.

Ich liebte es, die Pflanzen zu gießen. Das war Meditation für mich.

Außerdem freute ich mich immer über frisches gesundes Gemüse. Den Rest musste er erledigen. So eine richtige Gärtnerin nämlich bin ich nicht (mehr). Früher schon, da meinte die Nachbarin, dass ich eine solche werde würde. Doch, da täuschte sie sich. Zu mühsam ist mir das. Zu viel Arbeit!

Bei unser Freitagsjause fragte er mich dann, was ich am Wochenende mache. "Ach, ich werde einen Baum pflanzen". Ja, diese Worte kamen aus meinem Mund. So locker und flockig, als hätte ich gesagt, ich werde Zuckerwatte essen. Als wäre das ganz einfach, quasi ein Kinderspiel für mich. Mit großen Augen schaute er mich an. Kurz hatte ich schon Angst, dass sein Augenapfel gleich herausspringt. "Also ich glaube, dass du eher den K2 besteigen als einen Baum pflanzen wirst", ja, das sagte er zu mir. Na warte, dir werde ich es zeigen, mein Lieber.

Der nächste Montag kam, und voller Stolz erzählte ich ihm in der Arbeit, Kollegen sind wir nämlich auch noch, dass ich es geschafft habe, einen Baum zu pflanzen. "Du überraschst mich", sagte er zu mir.

Und als er mich dann fragte, welcher Baum es denn sei, meinte ich nur, dass ich das nicht so genau wisse. "Ach typisch". Ja, ich konnte es sehen, wie er das gedacht hatte. "Ich habe nur eine Geschichte geschrieben, für die ein Baum gepflanzt wird. Den Rest macht wer anders". "Aha, wusste ich es doch, dass du keinen Baum pflanzen wirst".

"Natürlich habe ich einen Baum gepflanzt und wer weiß, vielleicht wird aus einem einzelnen Baum bald ein ganzer Wald.“

© Kristina Fenninger 2021-05-05

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