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#freundschaft

Ich habe es getan

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Ich habe es getan | story.one

Eine Corona - Geschichte

War es richtig, es zu tun? Ich weiß es derzeit nicht. Ich weiß es wirklich nicht.

Jetzt aber schön der Reihe nach: Ich schaue auf mein Handy. Eine Nachricht blinkt auf: „Liebe Kristina, hast du Lust heute Abend mit mir Essen zu gehen? Liebe Grüße, M“. Mein Herz macht einen Satz. Schnell sage ich zu. Endlich wieder ins Restaurant. Und dann auch noch mit M. Ich freue mich so sehr. Den ganzen Nachmittag über bin ich besonders gut gelaunt, und die Arbeit geht mir leicht von der Hand. Sehr leicht sogar. Schließlich habe ich ja noch etwas Großes vor heute.

Am Abend nach der Arbeit springe ich unter die Dusche. Ich verwende mein Lieblingsgel, rasiere mir die Beine, creme mich ein und ziehe mir meine neuen Kleidungsstücke an. Wobei, neu sind sie gar nicht. Einer Freundin gefallen sie nicht mehr, jetzt habe ich sie bekommen. Wie schön, ich finde sie nämlich ausgesprochen toll. „Danke A.“ „Was wohl meine Verabredung dazu sagen wird?“, überlege ich vorfreudig und grinse in mich hinein.

Zur Feier des Tages trage ich etwas Wimperntusche auf und auch die Lippen werden zart geschminkt. Wie schön sie doch glänzen.

Ich setze mich ins Auto und fahre ins Restaurant. Dort wartet M auch schon auf mich. Wir begrüßen uns und freuen uns sehr, uns nach so langer Zeit wiederzusehen. Wir wählen unsere Speisen. Ich bestelle Marchfeld-Spargel, mit Erdäpfeln und selbst geschlagener Hollandaise. Mein Lieblingsessen im Frühling. Lange plaudern wir über Gott und die Welt. Alles ist so vertraut, als hätten wir uns erst gestern das letzte Mal gesehen.

Doch irgendwann ist es dann doch Zeit zu gehen und M verlangt die Rechnung: „Alles zusammen, bitte“. Wow, ich werde sogar eingeladen, freue ich mich und fühle mich geschmeichelt.

„Kommst du noch mit zu mir?“ Kurz überlege ich: „Ob das gut ist?“ Doch das Herz siegt.

Im Kerzenschein trinken wir ein Gläschen Wein und führen unser Gespräch von vorhin weiter. Nun sind wir allein und ganz unter uns. Wir schauen uns tief in die Augen. Etwas zu tief. Ich werde schwach. Die Vernunft verliert. „Ob ich es bereuen werde, es getan zu haben?“ Doch es gibt für uns beide kein Halten mehr. Das Verlangen ist einfach zu groß, und schon geschieht es auch: Wir umarmen uns herzlich, innig und fest, meine liebe Freundin und ich. Wie gut das doch tut.

Und ich sage euch: „Jetzt weiß ich es, es war richtig, es getan zu haben, aber sowas von.“

© Kristina Fenninger 2020-05-20

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