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#baumwelten

Im Wald

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Im Wald | story.one

Ich möchte das Ganze wirklich nicht verteufeln, hab ich ja überhaupt keine Ahnung davon. Aber lachen musste ich schon, als ich vor ein paar Tagen im Netz las: Werde Waldbademeister. Deren Aufgabe ist es wohl, die Leute im Wald zur kompletten Entspannung zu bringen und somit Burn-out, Krebs, etc. vorzubeugen. Ich habe schon öfters gehört, wie gesund ein Aufenthalt im Wald ist. Und ja, das glaube ich gerne.

Ich liebe ihn. Besonders die würzige Luft und das satte Grün der Bäume und des Mooses. Die frischen Pilze, die gerade jetzt im Spätsommer aus dem Boden sprießen. Bei den ganzen verschiedenen Schwammerlarten bin ich immer wieder erstaunt, was die Natur alles schafft. Pilze haben so etwas Magisches an sich. Mittlerweile vertraue ich meinem Freund, dass er wirklich weiß, welche wir überleben, wenn wir sie verspeisen. Meine Oma sagt immer, da wo ein Fliegenpilz steht, da stehen in der Nähe Steinpilze.

So streiften wir also gestern (handylos) auf der Jagd nach frischen Schwammerl durch den Wald. Mit Erfolg. Wir fanden Eierschwammerl und zwei kleine Steinpilze. Auch einen Fliegenpilz haben wir gesichtet. Da fiel mir ein Lied ein, das ich als Kind so gerne mochte: Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, ... Auch erinnerte ich mich, wie wir früher mit unserer Oma im Wald Bauernhof spielten. Aus Ästen bauten wir unseren Stall. Tannenzapfen waren unsere Tiere.

Nach einer Weile erreichten wir die an einer Lichtung stehende, bewirtschafte Hütte. Dort gab es eine gute Jause, Schmalzgebäck, hand-gefilterten Kaffee und Birnensaft. Herrlich, wie gut das Essen schmeckt, vor allem wenn man sich vorher bewegt hat. Wir speisten und suchten uns einen gemütlichen Platz am Waldboden. An einen Baum gelehnt blieben wir noch eine Weile.

Am Rückweg gönnten wir uns eine besonders schmackhafte Nachspeise: frische, dunkelrote Waldbrombeeren. Immer wieder machten wir Halt, um unseren Hund am klaren Bach trinken zu lassen. Mittlerweile war es heiß geworden. Wir zogen unsere Schuhe aus und kneippten durch den Bach. Wie gut das doch tat.

Ein junges Reh huschte vorbei.

Bevor wir den Wald verließen, füllte ich meine Lungen mit frischer Waldluft auf. Ich fühlte mich entspannt, auch ganz ohne Waldbademeister (Ausbildung).

Am Abend trafen wir uns mit Freunden in einem urigen Wirtshaus zum Essen. Ich bestellte mir einen Hirschbraten. Leider im Moment noch aus der Zucht. Aber immerhin aus der hauseigenen. Schön, wenn jetzt dann im Herbst wieder Wild aus unseren heimischen Wäldern auf den Speisekarten steht. Da weiß ich dann, dass die Tiere ein gutes Leben hatten, bevor sie auf unseren Tellern landen. Ein gutes Gefühl für mich.

Wie gut ich heute Nacht geschlafen hab. Ob das tatsächlich am Aufenthalt im Wald oder an dem schweren Rotwein, welchen ich mir bestellt hab, liegt, das weiß ich nicht so genau. Wahrscheinlich aber an beidem.

© Kristina Fenninger 2019-08-19

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