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#1sommer1buch#freundschaft#einfotoundseinegeschichte

leicht und stark

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leicht und stark | story.one

Es ist heiß, sehr heiß. Ich verlasse die Praxis meiner Therapeutin. Durch ihre herrlich erfrischende Art hat sie es wieder einmal geschafft, dass ich mich leicht und frei fühle. Zwar nicht ganz so leicht wie eine Feder, aber doch um einiges leichter als noch vor 50 Minuten.

Ich schlendere durch die Stadt, um ein paar Besorgungen zu machen. Danach setze ich mich auf die Terrasse eines Pubs. Die Sonne scheint in mein Gesicht. Wie ich das doch mag. Sonne bedeutet Leben. Das kleine Bier benetzt meine ausgetrocknete Kehle. Menschen gehen vorbei und plötzlich, ganz plötzlich, muss ich an dich denken. Schnell krame ich mein Smartphone aus der Tasche. Ich will dir schreiben. Kurze Zeit später bist du hier, hier bei mir.

Was kann es bei der Hitze Besseres geben als Eis? Wir tun es vielen anderen gleich und stellen uns in die Warteschlange einer trendigen Diele. Hier gibt es Lavendel-Orangen-Eis. Ich kaufe mir eine Kugel und schließe die Augen, während ich es koste. Für einen Moment kommt es mir vor, als wären wir in der Provence.

Du fragst mich, ob ich Lust habe, mit dir zum Festspielhaus zu gehen und die festliche Kleidung der Opernbesucher zu bewundern. Und ob ich die habe! Wir schlendern und lachen. Und wieder einmal wird uns bewusst, wir sind seelenverwandt.

Plötzlich erblicke ich einen alten Mann. Er sitzt im Kofferraum seinen Autos, vor ihm steht ein Tischchen. Salzburger Salz bietet er zum Verkauf an. Ich trete näher. Er beginnt zu plaudern mit mir. „Was kostet denn das Salz?“, frage ich ihn. Er nennt mir die Preise, und ich kaufe ein. Sowieso benötige ich Mitbringsel, und ein kleines Gläschen will ich mir selbst behalten, als Erinnerung an diesen wunderschönen Abend. 16 € bin ich ihm nun schuldig. „Für soviel Geld hat mir noch nie jemand etwas abgekauft. Jetzt bin ich ausverkauft“, freut er sich. Nun will ich mich verabschieden, doch er will uns nicht gehen lassen. Ein Mundartgedicht nach dem anderen kommt zwischen seinen Lippen hervor. Ich muss herzhaft lachen. Als mir dann der Bauch davon weh tut, gehen wir weiter.

Gespannt beobachten wir nun die Festspielgäste. Ich gehe zum Eingang, um ein Bild von dem schönen Türbogen zu machen. Auf dem Rückweg fährt mich um ein Haar ein flotter Mini zusammen. „Mini-Fahrer sind ohne Skrupel“, sagte meine Schwester einmal. Vielleicht hatte sie recht. Jedenfalls müssen wir wieder schallend lachen.

Und weil halt auch der schönste Abend ein Ende hat, verabschieden wir beide uns mit einer festen Umarmung. Und plötzlich fühle ich mich nicht nur leicht, sondern auch stark. Zwar nicht ganz so stark wie ein Elefant, aber fast.

Und das fühlt sich wirklich gut an.

© Kristina Fenninger 2020-08-14

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