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#inspirierend#likes#brotbacken

Likes und Erdung

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Likes und Erdung | story.one

Die Welt rennt, ist laut, schrill und schnell. Und ich renne mit.

Mails müssen gecheckt und Likes gezählt werden. Eh schön! Ein jedes einzelne Like, welches ich für eine Geschichte bekomme, freut und motiviert mich. Tolle Kommentare unter den Storys sowieso. Eh alles ganz wunderbar.

WhatsApp, Facebook, Instagram and so on eignen sich sehr gut, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu sein, wenn man es mal wieder nicht schafft, sich zu treffen. Außerdem kann man sich inspirieren lassen. Super!

Doch manchmal wird mir das Ganze alles viel zu viel. Ich verliere meine Mitte. So auch heute. Das Wetter ist saumäßig schlecht, und so habe ich gerade nicht wirklich Lust, in die mich erdende Natur zu gehen.

Ich gehe einkaufen und besorge alle Zutaten, welche ich benötige, um ein frisches Brot zu backen. Wieder zu Hause bereite ich einen Germteig zu. Ich knete den Teig mit meinen Händen und merke, wie gut mir das tut. Selbst als der Teig schon längst durchgeknetet ist, höre ich nicht auf. Noch lange nicht. Es macht mir so eine Freude. All meine Energie stecke ich gerade in den Teig. Erst als meine Arme langsam schwer werden, gebe ich nach.

So ein Germteig ist ja nichts, was husch husch fertig ist. Jetzt muss er erst einmal eine Stunde rasten, damit er schön aufgehen kann.

Derweilen trinke ich eine Tasse Tee. Nach der Zeit des Rastens muss die geschmeidige Masse noch einmal durchgeknetet werden, um dann wieder einige Minuten zu „gehen“. Man braucht Geduld. Dann kommt das Brot endlich in den Ofen. Jetzt muss ich gut aufpassen, dass es ja nicht schwarz wird. Wäre ja wirklich sehr schade. Ich muss ganz hier sein und habe keine Zeit, mich mit etwas Anderem zu beschäftigen. Ein herrlicher Duft strömt durch die Wohnung und ich fühle mich entspannt.

Das Kneten hat mir richtig gutgetan. Jetzt bin ich viel mehr geerdet als noch vor zwei Stunden.

Nach einer Dreiviertelstunde kommt das Brot heraus. Ein großes Daumen-nach-oben. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Am Abend dann wird es frisches Brot mit Butter und Käse geben.

Vielleicht auch ein Schlückchen Wein, während die Welt draußen vor der Türe warten muss.

© Kristina Fenninger 2021-05-12

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