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Mein 2. Geburtstag

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Mein  2. Geburtstag | story.one

20.08.2018: Mein sechster stationĂ€rer Chemotherapie-Zyklus beginnt. Es soll der letzte sein. Ich bin unendlich froh, doch habe ich auch Angst. Die Therapie nĂ€mlich verlangt mir immer extrem viel ab. Nach dem fĂŒnften Zyklus glaube ich, dass ich sterben muss. Aber nein, nicht an der LeukĂ€mie selbst, die ist schon lĂ€nger nicht mehr nachweisbar, was fĂŒr ein GlĂŒck, sondern an den Folgen der Therapie. Auch wenn der Krebs nicht mehr nachweisbar ist, so muss die Chemo trotzdem beendet werden.

Ich rede mir gut zu und lasse das Ganze noch einmal ĂŒber mich ergehen. Tagelang bin ich nun wieder durchgehend an Infusionen angehĂ€ngt. Das hĂ€lt mich aber nicht davon ab, in den Fitnessraum zu gehen. Ich trainiere ein wenig am Handrad. Meinen Kameraden, den InfusionsstĂ€nder nehme ich einfach mit. Beim Bewegen bleibt der Schlauch hĂ€ngen, und ich reiße mir die Nadel aus den Venen. Einen Schrei lasse ich nun los. Ich suche M., den netten Pfleger, auf, und die Nadel wird neu gesetzt. Heute kann ich lachen darĂŒber.

24.08.2018: Vier Monate vor Weihnachten. Doch fĂŒr mich ist Weihnachten schon heute. Ich habe es geschafft. Die Therapie ist beendet. Ich freue mich so sehr. Wenige Tage spĂ€ter aber bekomme ich hohes Fieber und eine extrem schmerzhafte, morphinpflichtige MundschleimhautentzĂŒndung. Beides Nebenwirkungen der Therapie. Erneut muss ich ins Krankenhaus. Doch auch das geht, sowie mehrere Untersuchungen, welche ich noch ĂŒber mich ergehen lassen muss, vorbei.

Am 05.09.2018 sagt mir meine Onkologin, dass nun auch der Schatten auf der Leber, welcher in einer Untersuchung festgestellt worden war, verschwunden ist. FreudentrĂ€nen laufen ĂŒber mein Gesicht. Jetzt heißt es nur noch abwarten, ob der Knoten in meiner Brust auch gutartig sein wird. Das Ergebnis werde ich erst viele Tage spĂ€ter bekommen. Doch ich spĂŒre, dass alles gut sein wird, und so schreibe ich voller Stolz und Freude schon heute in meinen WhatsApp-Status: „DER KAMPF IST BEENDET - ICH HABE GEWONNEN“.

Ich sollte Recht behalten, und der Knoten ist bis heute in meiner Brust, ohne mir Schlechtes zu tun.

September 2020: Es ist ein warmer SpĂ€tsommertag. Ich sitze mit einem Kumpel an einem See in der Wiese, und wir trinken Bier. „Was ist heute fĂŒr ein Datum?“, frage ich ihn. „Der 5.“, antwortet er mir. Ich freue mich. Auf den Tag genau 5 Monate nach meinem 30. Geburtstag feiere ich meinen 2. Geburtstag. Zwei Jahre nach Therapieende sinkt die Wahrscheinlichkeit wieder zu erkranken stark.

„Was wĂŒnscht du dir?“, fragt er mich. Ich brauche nicht lange zu ĂŒberlegen: „Ich wĂŒnsche mir, gesund zu bleiben. Und dass sich viele Menschen als Stammzellen- und Knochenmarkspender bei “Geben fĂŒr Leben“ (Österreich) oder “DKMS“ (Deutschland) registrieren lassen.“ Ich habe großes GlĂŒck im UnglĂŒck. Die Chemo schlĂ€gt gut an. Doch viele Menschen sind auf Spender angewiesen, um wieder ganz gesund zu werden.

Kannst du mithelfen, mir meinen Wunsch zu erfĂŒllen? Du wĂ€rst dann ein Held fĂŒr mich!

© Kristina Fenninger 2020-09-09

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