skip to main content

Moritz

  • 120
Moritz | story.one

Hilfe stand auf der Schachtel, welche mein Cousin an der Bushaltestelle vom Schulbus aus sah. Er rief seine Mama an und erz├Ąhlte ihr von seiner Sichtung. Sie machte sich auf den Weg, um nachzuschauen, wer, sie war schon davon ausgegangen, dass es ein wer und nicht ein was ist, Hilfe suchte.

Und was fand sie? Ein wei├čes (mit etwas braun in der Maske) Kaninchen. Sie nahm es mit und suchte meine tierliebe Mama auf. Sie war ganz angetan, wollte aber das Tier nicht behalten. Ihre Zeit mit Kaninchen ist vorbei. Also rief sie mich an. Ohne es vorher mit meinem Freund zu besprechen (was ich normal nicht tue, aber ich habe gewusst, dass er sich ├╝ber meine Idee freut) beschloss ich, dass wir den kleinen Kerl ein Obdach bieten werden.

Ein paar Tage sp├Ąter holten wir das Kaninchen dann zu uns und tauften es auf den Namen Moritz. Mein Freund baute eine ├╝berdimensionale H├╝tte und einen gro├čen Auslauf. Da es Tierqu├Ąlerei ist, ein Kaninchen alleine zu halten, beschlossen wir, dass noch ein zweites Kaninchen her mussten. Da wir der Meinung waren (was aber nicht stimmt), dass sich zwei Rammler nicht vertragen, musste es eine Kaninchendame sein. Also wurde er trotz Risiko, er war immerhin nicht mehr der J├╝ngste, kastriert.

Nach einigen Wochen als Junggeselle (wir mussten noch Zeit verstreichen lassen, da Kaninchen auch nach der OP oft noch einen goldenen Schuss haben) beendete eine h├╝bsche Dame namens Lilly aus dem Tierheim sein trauriges Alleinsein. Gemeinsam und bei jeder Gelegenheit pl├╝nderten die beiden unser Hochbeet. Am Abend, wenn die Sonne unterging und es nicht mehr so hei├č war, rannten sie in unserem ganzen Garten (ja, das haben wir ihnen erlaubt, sie liefen nicht weg) herum und machten Luftspr├╝nge vor Freude. Wir hatten gro├čen Spa├č und viel Freude, das zu beobachten.

Bald kam Mia dazu. Eine aufgeweckte Dame. Einen Monat versuchte man vergebens, sie am Salzachufer einzufangen. Im Herbst darauf ist unser Moritz dann gestorben. Als wir ihn in unserem kleinen Wald am Teich beerdigten, kam ein Eisvogel angeflogen und zog zwei Runden ├╝ber dem Gew├Ąsser.

Nie davor und auch nicht mehr danach und das, obwohl wir an diesem Platz viel Zeit verbringen, haben wir dort einen Eisvogel gesichtet. Vielleicht wollte er einfach Danke sagen? Danke, f├╝r einen sch├Ânen Lebensabend mit zwei Damen. So manch anderer kann nur davon tr├Ąumen.

Leider konnte er nicht mehr erleben, dass ein Max dazu kam.

Danke Moritz. Du hast unser Leben sehr bereichert. Und auf Kaninchen w├Ąren wir ohne Dich vielleicht nie gekommen.

┬ę Kristina Fenninger 2019-06-25

Kommentare

Geh├Âre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ├╝ber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.