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#freundschaft

Nein, ich mag keinen Podcast!

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Nein, ich mag keinen Podcast! | story.one

Kaffeeduft zieht durch das Haus an diesem frühherbstlichen Samstagmorgen. Endlich Wochenende! Gerade als ich mir mein Nutella Brot, ja ich weiß schon, nicht gesund, dafür aber umso leckerer, schmiere, läutet mein Handy.

„Wie spät bitte ist es?“, frage ich mich. Abheben tue ich trotzdem, und schon ertönt sie auch schon, die aufgeregte Stimme meines Nachbarn, bevor ich überhaupt ein „Guten Morgen!“ aussprechen kann.

„Kristina, du musst sofort kommen! Ich habe eine Überraschung für dich. Ich habe dafür die ganze Nacht durchgearbeitet.

„Ja, ich komme!“

„Sofort?"

„Nein, ich muss jetzt erst einmal frühstücken!“

„Beeil dich!“

„Ja, ich beeile mich! Bis dann!“

„Komm dann einfach rein, die Tür ist eh offen!“

„Okay, mach ich!“

Mein Nutella-Brot-Hunger ist mir jetzt vergangen. Plötzlich bin ich auch ganz aufgeregt und frage mich, was das wohl für eine Überraschung sein wird.

Ich trinke einen Schluck Kaffee, und schon bin ich draußen bei der Tür.

Als ich die Haustüre öffne, springt er auch schon auf von seinem gemütlichen Sessel. Ganz überschwänglich werde ich nun begrüßt. Danach platzt die Überraschung auch schon aus ihm heraus: „Auf story.one gibt es doch Podcasts. Ich kenne mich aus damit. Mein Bruder beschäftigt sich mit solchen. Von seinen Erfahrungen berichtet er mir immer. Ich bin jetzt schon ein richtiger Profi darin. Die ganze Nacht bin ich am Balkon gesessen und habe mir Fragen ausgedacht! Und weißt du für wen?“

„Nein, weiß ich nicht!“

„Na für dich natürlich!“

„Für mich??“


Seine Wangen glühen. Ich spüre seine Begeisterung. Ich mag es, wenn Menschen begeistert sind. Dass er sich so sehr über viele Dinge freuen kann, ist auch wirklich eine Eigenschaft, die ich sehr an ihm schätze.

Doch ein Podcast mit mir? „Nein, das ist nichts für mich.“ Und schon sehe ich, wie sein eben noch strahlendes Gesicht zusammenfällt. „Aber warum denn nicht?“ Ich würde mir blöd vorkommen“, denke ich mir. Doch sage ich zu ihm: „Weißt, dann wären wir morgen so berühmt, dass wir nicht mal mehr Zeit hätten, gemeinsam Wein zu trinken. Das wäre doch schade.“ Diese Antwort gefällt ihm. „Okay Kristina, ich verstehe! Wir lassen das und trinken erst einmal einen Kaffee." “Einverstanden!”

Er hat einfach mit mir die Falsche für solche Dinge erwischt, da trinke ich lieber das nächste Mal ein Glas Wein mehr mit ihm. Doch hat er geschafft, dass ich nun immer, wenn ich das Wort „Podcast“ lese oder höre an ihn denken muss, und das wird auch für immer so bleiben, da bin ich mir sicher.

Ich hoffe sehr, er arbeitet weiter an seinen Träumen und Wünschen und lässt sich von meiner Abfuhr nicht die Freude nehmen. Übrigens: Heute, ja genau heute, ist sein Namenstag. Vielleicht mag er ja mit irgendjemandem einen Podcast über seinen Schutzpatron aufnehmen. Weißt du was? Das schlage ich ihm jetzt gleich vor. Das ist ja wirklich eine gute Idee.

Vielleicht wird auch seine Person dann irgendwann einmal heiliggesprochen und er kommt eines Tages in den Podcast-Himmel. Wer weiß das schon!


© Kristina Fenninger 2020-10-31

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