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Nur eine Nacht

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Nur eine Nacht | story.one

„Kristina, du musst umziehen! Wir brauchen dieses Zimmer für zwei Männer“, sagte die Krankenschwester zu mir. Ich war traurig. Nämlich musste ich von meinem hellen, freundlichen Zimmer Nr.7, mit Blick auf meinen geliebten Untersberg, welches mir bereits lieb geworden war, in ein nicht so lichtdurchflutetes, eher düsteres Zimmer mit Blick auf die Parkgarage wechseln.

Ich und mein Hab und Gut wurden zusammengepackt, und der Umzug wurde vorbereitet. Die freundliche Schwester brachte mich in mein neues Zimmer, öffnete die Tür und stellte mir meine neue Bettnachbarin vor. Ich will sie Hertha nennen in meiner Geschichte! Und was soll ich sagen, die Sonne höchst persönlich begrüßte mich, als mich Hertha anlächelte. Ihr Gesicht war voller blauer Flecken, nämlich war sie nicht artig und war in der Nacht trotz Verbot alleine aufgestanden und gestürzt. „Was wurde ich geschimpft von der Frau Doktor!“, erzählte sie mir belustigt, und doch war ihr das Ganze auch ein wenig peinlich. Und ja, ich kann mir gut vorstellen, wie sehr sie geschimpft worden war.

Es dauerte nur wenige Minuten und ich war dankbar über die Bekanntschaft. Ich freute mich, dass ich sie habe kennenlernen dürfen. Ihr Frohsinn und ihr Lebensmut trotz ihrer vielen Schicksalsschläge beeindruckten mich. Sie erzählte mir, dass ihr Mann Rosen liebte und sie seine Asche in ihrem Garten zwischen diesen Blumen verstreut hatte. Ich musste lächeln und fand es sehr schön, dass sie ihm seinen letzten Wunsch erfüllen konnte.

Lange plauderten und lachten wir gemeinsam, doch plötzlich wurde wir ganz ernst. „Weißt du, Kristina, das Wichtigste im Leben ist, dass du mit dir selbst in Harmonie und in Frieden sein kannst.“

Dieser Satz begleitet mich seitdem. Nämlich finde ich, hatte sie sehr recht damit. Manchmal aber geht mir die innere Harmonie und Ruhe verloren. Das ist immer dann, wenn ich mir zu viel zumute oder zu viele Dinge tue, die mich von mir selbst ein wenig entfernen. Doch mittlerweile weiß ich, was ich tun kann, um sie wieder herzustellen. Nämlich einfach ein paar Gänge runterschalten und Sachen tun, die ich am liebsten tue. Und plötzlich bin ich dann wieder ganz bei mir.

Harmonie und innere Ruhe sind für mich der Schlüssel zur psychischen Gesundheit. Und ich bin überzeugt davon, nur wenn es der Psyche gut geht, kann es auch dem Körper gut gehen.

Nur wenig Zeit hatten wir miteinander verbracht, die Hertha und ich. Nämlich durfte ich überraschenderweise am nächsten Tag das Krankenhaus für einige Zeit verlassen. Doch hat diese kurze Zeit tiefe Spuren in mir hinterlassen.

© Kristina Fenninger 2020-04-08

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