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Phil Collins und das Papierschnipsel

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Phil Collins und das Papierschnipsel | story.one

Ich sitze da, mit meinem Freund, am Frühstückstisch. Es gibt starken schwarzen Kaffee und frisches Brot, mit Schnittlauch aus dem Garten.

Langsam werde ich frisch und munter.

Wir plaudern über Gott und die Welt. Wie unbeschwert und leicht sich doch so ein heißer Sommertag anfühlen kann?

Da fällt mir plötzlich die Geschichte wieder ein, die mir gestern eine Freundin ebenso beim Frühstück aber mit Milchkaffee erzählt hat. Sie hat mich sehr berührt.

Ich wurde wieder mal darin bestärkt, dass es oft die kleinen Dinge im Leben sind, die es so lebenswert und schön machen.

Jetzt versuche ich, die Geschichte aufs Papier oder besser gesagt ins Netz zu bringen. Im Hintergrund läuft Phil Collins, zwecks kompletter Hingabe zum Thema.

Auch wenn diese Musik nicht ganz mein Geschmack ist. Was sein muss, muss eben sein.

G. und ihr Mann machten sich auf nach Wien, ins Ernst-Happel-Stadion, zu Phil Collins. Wegen der Gehbehinderung ihres Mannes hatten sie einen Sitzplatz. Ihr Platz war ziemlich weit hinten.

Die beiden hatten das Konzert sehr genossen.

Bevor die Zugaben begannen, wurden Abertausende oder waren es gar Abermillionen rote Papierschnipsel durch eine Kanone in das Publikum gejagt.

G. wollte unbedingt eines erwischen, was ihr aber nicht gelang. Sie sassen einfach zu weit hinten. Nach einiger Zeit erreichten die Schnipsel doch auch den hinteren Bereich. Trotzdem gelang es ihr nicht, eines zu ergattern. War es ihr doch zu blöd, zwischen den Köpfen der anderen Besucher herum zu wuseln!

Das Spektakel war vorbei. Das gesamte Papier hatte den Boden erreicht. G. hatte die Hoffnung schon aufgegeben.

Doch dann flog tatsächlich noch ein einziges Schnipsel an ihr vorbei. Direkt an ihrer Nasenspitze. Sie konnte es im Sitzen fangen. Sie freute sich sehr und dachte sich: „Wahnsinn, das gibt es ja gar nicht!“ G. war beinahe wie verzaubert. Hatten doch, wie gesagt, die anderen Schnipsel ihre Reise bereits beendet.

Sie hütet es wie einen Schatz.

Als ich vorhin die Überschrift meiner Geschichte schreiben wollte, schrieb mir mein Handy automatisch "Phil Voll ins" anstatt Phil Collins. Vielleicht kann es auch heißen: „Phil voll ins Herz?“

© Kristina Fenninger 2019-06-22

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