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#winterzauber#bussibussi

Picknick im Schnee

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Picknick im Schnee | story.one

Das Langlaufen war fĂŒr mich stets mehr als ein Zeitvertreib. Es war mein Anker, vielleicht war es auch ein wenig Flucht. Immer dann, wenn es so viel geschneit hatte, dass unser Nachbar mit dem SpurgerĂ€t frische Loipen spuren konnte, war ich zufrieden, wenn nicht gar glĂŒcklich.

Ich holte meine alten Skier aus dem Keller, und schon ging es los. Stundenlang war ich in der Loipe. Dann ging ich heim, um mich zu stĂ€rken und vielleicht ein paar Seiten in einem Buch zu lesen. Lange dauerte es aber nicht, bis ich wieder draußen war.

SkilÀnge um SkilÀnge kam ich voran. Manchmal ging es bergab, da musste ich immer aufpassen, dass ich nicht hinfiel. Wenn es aber doch passierte, lachte ich, stand einfach auf, und weiter ging es, oftmals bis in die DÀmmerung hinein.

Einmal, ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, war der Schnee so verweht, dass ich mir vorstellte, ich wĂ€re weit weg in der WĂŒste. Der von der Sonne glitzernde Schnee schaute aus wie DĂŒnen. Wenn ich mich heute an diese Momente zurĂŒckerinnere, geht mein Herz auf. Es war so schön!

In der Schule war ich immer eine Außenseiterin. Meist hatte ich zwar ein paar „Freunde“, die es mehr oder weniger ernst mit mir meinten, doch der Großteil war einfach nur gemein zu mir.

Eines Tages in den Faschingsferien, ich war gerade wieder am Langlaufen, kam er mir entgegen. Schon von der Weite konnte ich ihn erkennen. Mein Herz begann wie wild zu pochen. Immer nĂ€her kam er auf mich zu. Als wir auf Augenhöhe waren, traute ich mich gar nicht, ihn anzublicken. Er aber blieb stehen und grĂŒĂŸte mich freundlich. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, war er doch in der Schule immer am allergemeinsten zu mir. Warum ich nicht auf dem Faschingsumzug sei, fragte er mich.

„Keine Lust“, antwortete ich. Ich wollte nicht zugeben, dass ich niemanden hatte, der diesen mit mir besucht hĂ€tte.

„Ich auch nicht“, sagte er.

Ob ich nicht Lust hĂ€tte, morgen mit ihm ein Picknick im Schnee zu machen, fragte er mich plötzlich. BeschĂ€mt schaute ich in den Boden und dachte, ich hĂ€tte mich verhört. Doch verabredeten wir uns fĂŒr den nĂ€chsten Tag bei einem WaldstĂŒck, an dem die Loipe vorbeifĂŒhrte.

„Bestimmt wird er nicht kommen“, dachte ich mir, und als meine Armbanduhr fĂŒnf nach anzeigte, war ich mir sicher, dass ich recht behalten wĂŒrde.

Doch um zehn nach kam er völlig abgehetzt mit der Entschuldigung, die Schoko-Muffins wĂ€ren nicht eher fertig geworden. Meine Freude war jetzt unbĂ€ndig groß. So saßen wir eine Zeit lang auf einem Baumstamm nebeneinander da, aßen und tranken heißen sĂŒĂŸen Apfel Tee. Man merkte, der FrĂŒhling war nicht mehr weit. Sanft wölbte sich etwas Moos zwischen dem Schnee hervor. Ich spĂŒrte, dass er mich anschaute. SchĂŒchtern, ganz schĂŒchtern drehte ich meinen Kopf zu ihm hin, und dann bekam ich mein erstes Bussi auf den Mund. Mein Herz machte einen Luftsprung.

© Kristina Fenninger 2021-02-14

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