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Resi u Quirin - eine St. Martins-G'schicht

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Resi u Quirin - eine St. Martins-G'schicht | story.one

Aus den Erzählungen eines Freundes. Es ist die Geschichte seiner Großmutter und seines Großvaters.

Wir schreiben den Martinstag im Jahre 1950.

Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir…. Voller Inbrunst singt der etwa 6-jährige Quirin das Lied. Er liebt es zu singen. Voller Stolz trägt er seine Laterne. Romantisch flackert das Licht der Kerze. Resi und Quirin sind beste Freunde. Gemeinsam wohnen sie dem bunten Umzug bei. Hand in Hand. Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel. Es ist ihnen nicht kalt. Sie sind warm eingepackt. Außerdem hat ja jeder einen lieben Menschen an seiner Seite.

Allerdings hat Quirin an seiner rechten Seite einen ihm gegenüber nicht wohlwollenden Schulkameraden. Mit dem Ellenbogen rennt Hias ihn die ganze Zeit an. Was soll das, überlegt Quirin. Was will er von mir? Doch er lässt sich nicht beirren und macht weiter wie bisher, er singt und trägt stolz seine Laterne. Hand in Hand mit Resi.

Am nächsten Tag als, er die Schule betritt, ist Hias schon da. Quirin kann nicht singen, Quirin kann nicht singen, tönt es aus seinem Mund. Jetzt ist er verunsichert, der Quirin. In der großen Pause, welche er wie immer so auch heute mit der Resi verbringt, nimmt er seinen Mut zusammen und fragt sie, was sie denn von seinem Gesang hält. Mit einer Ehrlichkeit, wie sie nur ein Kind besitzt, antwortet sie: Ja, mei, ich mag dich trotzdem.

Das freut den Quirin natürlich, doch singen hat er sich nicht mehr getraut, auch nicht bei den anderen zahlreichen Festen, die der Jahreskreis bereithält. Wenn die wöchentliche Singstunde ansteht, würde er es am liebsten dem heiligen St. Martin gleichtun. Der hat sich damals im Gänsestall versteckt, damit man ihn nicht findet und ihn nicht zum Bischof weihen kann. Das Geschnatter der Gänse allerdings hat ihn verraten. Verstecken aber kann er sich nicht, der Quirin. Doch singen tut er nur noch tonlos.

Nach der vierten Klasse Grundschule trennen sich die Wege von Resi und Quirin. Er geht aufs Gymnasium und sie weiter in die Hauptschule. Sie verlieren sich nun aus den Augen.

Viele Jahre später ist der Quirin zwar noch immer kein Sänger aber doch ein ganz vorzeigbarer Tänzer geworden. Resi ist sowieso eine begeisterte Tänzerin. Nachdem sie sich lange Zeit kaum gesehen haben, treffen sie sich auf einem Ball wieder. Er fordert sie zum Tanz auf.

Seit ein paar Jahren besuchen sie nun gemeinsam mit ihren Enkelkindern jährlich den Martinsumzug. Allerdings brennen jetzt keine Kerzen mehr in den Laternen, sondern nur mehr elektrische. Und singen tut er immer noch nicht wieder. Aber das macht ja nichts. Er ist glücklich! Das zählt!



© Kristina Fenninger 2020-11-10

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