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R.I.P. Pinguin

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R.I.P. Pinguin | story.one

Ich durfte bei der Sommerwoche eines kreativen Vereins in Salzburg schnuppern.

Wir betraten den Raum.

UngefĂ€hr 20 Kinder im Alter von 7-10 Jahren arbeiteten jeder fĂŒr sich an einem Blumengesteck. Rosen, Lavendel und GrĂŒnzeug wurden sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlt und in den Steckschwamm gesteckt. Die Kinder waren sehr vertieft in ihr Tun und bemerkten uns erst gar nicht.

Das fertige Gesteck wurde in den Keller gebracht, wo schon viele andere kleine und große Kunstwerke platziert worden waren. Jedes Kind hatte einen eigenen Platz. Stolz prĂ€sentierten sie mir ihre bunten, kreativen Werke. Den Keller nannten sie liebevoll Galerie.

Ein Highlight fĂŒr die MĂ€dchen und Jungs war es, als der Container mit Dingen, welche fĂŒr andere Menschen Schrott sind, geöffnet wurde. Voller Begeisterung wĂŒhlten sie in den Sachen herum, welche die Kreativ-Trainerinnen vorher sorgfĂ€ltig am MĂŒllplatz ausgesucht und mitgenommen hatten. Eine Trainerin pustete Seifenblasen, um diese Momente noch magischer werden zu lassen.

Sie spielten mit den Sachen oder ĂŒberlegten, was sie daraus wohl Tolles basteln können. Sie konnten und wollten es nicht verstehen, dass es Leute gab, die diese coolen Sachen weggeschmissen hatten. Es waren wirklich ganz tolle Dinge dabei. Auch fĂŒr mich als Erwachsene waren dies ganz freudige Momente. Fast bekam ich TrĂ€nen in den Augen, als ich zusah, welche Freude die Kinder hatten. Dazu möchte ich sagen, das waren aber keine Kinder aus armen Familien. Sondern solche, die in den Ferien etwas Außergewöhnliches und Kreatives erleben wollten und durften.

Ich dachte ganz fest an meine Schwester, fĂŒr sie wĂ€re das als Kind das Paradies gewesen.

SpĂ€ter fragte ich ein MĂ€dchen, ob ich mich zu ihr setzten durfte. Ich sah, sie bastelte etwas, und ich wollte gerne zuschauen und etwas ĂŒber ihr Werk erfahren. Ja, ich durfte. Sie hatte einen Karton braun angemalt. Sie machte ein Grab, welches auch einen Grabstein besaß. Die Aufschrift lautete: R.I.P. Pinguin. Ich musste in mich hinein schmunzeln. Vorsichtig fragte ich: „Was ist denn mit dem Pinguin passiert, warum ist der tot?“ Sie erklĂ€rte mir: „Ich habe ihm das Auto fahren gelernt und dann ist er gestorben.“ „Aha“, sagte ich. Dann erklĂ€rte sie mir, dass es ja bei uns gar keine Pinguine gibt und sie natĂŒrlich auch noch nicht autofahren kann, sondern nur in der Fantasie. Ich musste grinsen und war echt ĂŒberrascht, von ihrem Kunstwerk und ihrer doch nicht ganz alltĂ€glichen Idee.

Es wird immer ein Thema vorgegeben, zum Beispiel: Bastle dein Traumhaus. Wenn die Kinder Lust dazu haben, dann machen sie das. Egal wie. Ganz ohne dass von den PĂ€dagoginnen gewertet wird. Und wenn nicht, dann machen sie halt etwas anderes oder auch nichts. Langeweile ist ja auch gut fĂŒr die KreativitĂ€t.

Toll, was alles rauskommt und entstehen kann, wenn man Kinder nur machen lÀsst. Ich war echt sehr begeistert.

© Kristina Fenninger 2019-07-28

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