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#wirmachenmut#lockdown2klappe

Rückschau

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Rückschau | story.one

Seit einer Woche haben wir jetzt nun den zweiten Lockdown. Es sind wirklich Luxusprobleme, und doch merke ich, dass ich schon ein wenig darunter leide. Kein Restaurantbesuch. Keine Konzerte. Keine durchfeierten Nächte. Weniger soziale Kontakte…

Seit gestern sind wir nun in freiwilliger Selbstisolation und warten auf unser Testergebnis. Mein Freund hat Symptome. Als verantwortungsbewusste Menschen war es selbstverständlich für uns, uns zu melden.

Jetzt sitzen wir also daheim. Es fühlt sich ein wenig komisch an. Ich will raus und das Leben spüren, doch das geht derzeit halt eben nicht.

Ich erinnere mich zurück, als ich im Jahr 2018 wochenlang auf einer Station "eingesperrt" war. So angenehm wie möglich gestaltete ich mir den Aufenthalt. Deko war erlaubt, nur war es sehr wichtig, dass es welche war, die man wegen einer eventuellen Keimbelastung desinfizieren konnte. Keine frischen Blumen.

Laminierte Fotos von gemeinsamen schönen Erlebnissen wurden mir ins Krankenhaus gebracht. Ich schaute mir jedes ganz genau an und schwelgte in Erinnerungen an vergangene wunderschöne Momente. Die Fotos waren eine wichtige Ressource für mich. Die Krankenschwestern waren ganz begeistert, wie bunt ich mir meinen Bereich gestaltete.

Ich will wieder schöne Zeiten erleben. Ich will kämpfen. Ich will überleben. Immer dann, wenn es mir schlecht ging, suchte ich in meinem Kopf nach herzerwärmenden Erinnerungen. Auch ein nach frischen Zitrusfrüchten duftender Raumspray erheiterte mich. Um nicht einen kompletten Muskelschwund zu erleiden, ging ich beinahe täglich in den Fitnessraum und trat in die Pedale des Ergometers.

Auch heute, wo ich erneut "eingesperrt" bin, wobei das ja wirklich purer Luxus ist, hole ich mir schöne Gedanken her. In meinem Handy schaue ich mir Fotos an. Die Fotos vom vergangenen außergewöhnlichen Sommer. Ich bereite mir frischen Kräutertee zu. Kräuter haben so etwas Besonderes, etwas Magisches für mich. Auch eine heiße Wanne mit duftendem Schaum gönne ich mir.

Das Wissen, dass wieder andere Zeiten kommen werden, und die Erinnerungen an vergangenes Schönes geben mir auch jetzt wieder Kraft. Und vielleicht ist ja gerade jetzt auch die Zeit, ein wenig Innenschau zu betreiben. Ich zünde eine Bienenwachkerze an. Ihr helles Licht tut mir gut. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf.

Übrigens bilden sich beim Verbrennungsvorgang von solchen natürlichen Kerzen Stoffe, welche schädliche Bakterien zuverlässig vernichten können. Auch ein gerade in Zeiten wie diesen nützlicher Nebeneffekt.

© Kristina Fenninger 2020-11-09

mutmacherLOCKdown - 2.(0) KlappeWas jetzt wirklich zählt

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