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#salzburglove

Salzburger Schnürlregen

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Salzburger Schnürlregen | story.one

Die Salzburger sind oftmals schon ein komisches Volk. Wenn es tagelang regnet, beschweren sie sich über den "Salzburger Schnürlregen". Dabei hört es sich doch an, als würde W.A. Mozart gerade die "Kleine Nachtmusik" live spielen, wenn der Regen auf die mit Musiknoten verzierten Regenschirme prasselt.

Wie gut, dass es zahlreiche traditionelle Kaffeehäuser gibt, wo man seiner Seele mit "Salzburger Nockerln" etwas Gutes tun kann.

Im Restaurant am Stadtrand gibt es das wohl beste Backhendl mit Erdäpfel-Vogerlsalat der City. Hier wird es geduldet, wenn eine an Geld sehr reiche Salzburgerin die als Deko auf den Tisch gestellten weißen Rosen vom Doll einfach so mitgehen lässt. Schließlich ist der zahlende Kunde König. Frau...sowieso.

Wenn dann nach dem Schauer der Föhnwind bläst und endlich die Sonne scheint, sucht Frau D. die nächste Apotheke auf. Sie will ihre Kopfschmerzen mit starken Tabletten bekämpfen.

Wie es auch ist, das Wetter, entweder ist es zu kalt oder zu heiß, zu nass oder zu trocken. Den Salzburgern recht, das ist es kaum. Solange sie einen Grund zum Aufregen finden, kann es ihnen so schlecht nicht gehen, den Leuten.

Weil Menschen, denen es wirklich miserabel geht und die tatsächlich allen Grund zum Jammern hätten, beschweren sich eher selten.

Mit einem Fächer wedelnd und sich die Stirnfransen aus dem Gesicht blasend schafft die Festspielbesucherin im edlen Gewand der Hitze etwas Abhilfe.

Die Salzburger "Normalos", die Bodenständigen eben, die nach dem Spaziergang am Mönchsberg gemütlich auf ein Bier im Steinkrug ins Bräustüberl oder zum Abshaken ins Shamrock gehen, welche selbstgewutzelte Zigaretten anstatt teurer Zigarren rauchen, werden von den Schönen und Reichen oft argwöhnisch begutachtet.

Aber das ist ihm egal, dem alternativen Linken. Er lebt sein gechilltes Leben in einer der wohl schönsten Städte überhaupt. Denn sterben muss Jedermann, egal ob arm oder reich.

Da genießt er lieber sein Leben, der bärtige Musiker und hat manchmal etwas Mitleid mit den reichen aber oft unglücklichen und gierigen Menschen, die ihren Hals nicht voll kriegen können.

Fröhlich tanzt er durch den Salzburger Schnürlregen und ist dankbar über die heiße Dusche danach. Denn, zu freuen hat er nicht verlernt, der oft als Nichtsnutz beschimpfte Arbeitslose.

© Kristina Fenninger 2019-11-03

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