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Sind Pommes auch Gemüse?

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Sind Pommes auch Gemüse? | story.one

Onkologische Tagesklinik. Eine Blutkonserve wurde mir verabreicht. Ich lauschte dem Gespräch einer Patientin und der Krankenschwester. Die Patientin, eine junge Mutter, war sichtlich nervös. Sie war das erste Mal dort. Eine Chemotherapie wurde ihr in die Venen gejagt. „Wissen Sie, Schwester, ab jetzt esse ich nichts Süßes, kein Fleisch und trinke keinen Alkohol mehr. Auch habe ich mir das Buch “Himbeeren mögen keine Krebszellen“ gekauft und werde danach leben“, sagte sie.

„Wow“, dachte ich mir. Sehr diszipliniert, die junge Frau. Auch ich überlegte mir öfter, aufgrund meiner Leukämieerkrankung, die Ernährung komplett umzustellen und auf Zucker, Alkohol und viele andere ungesunde Sachen weitgehend zu verzichten. „Sollte er wieder kommen, der Krebs, so muss ich mir wenigstens nicht vorwerfen, dass ich nicht alles getan hatte, um eine Wiedererkrankung zu verhindern“, so meine Gedanken. Doch schnell wurde mir klar, dass ich das nicht schaffe. Und warum? Weil ich es nicht schaffen will. Auch bin ich viel zu flagmatisch dazu. Flagmatisch ist eines der Lieblingswörter meiner Oma und es heißt undiszipliniert. Sie sagt das aber nicht zu anderen, sondern zu sich selbst.

Jetzt aber wieder zurück zu mir: ich möchte das Leben genießen und dazu gehört für mich auch das zu essen, was mir schmeckt. Also: Pommes, Pizza, Schnitzel und viele andere ungesunde Leckereien. Nein, ich ernähre mich natürlich nicht nur von Fastfood. Trotzdem esse ich meist das, worauf ich Lust habe und überlege nicht: ist das jetzt gesund oder nicht. Natürlich nehme ich auch Obst und Gemüse zu mir. Wenn auch vielleicht nicht so viel, wie ich wahrscheinlich sollte.

Auszugehen ohne ein Bier zu trinken ist halt für mich auch nicht das Gleiche. Natürlich ihn Maßen. Ein Schwips ist manchmal ja auch etwas ganz Schönes, finde ich.

Ich höre auf meinen Körper und vertraue darauf, dass er mir sagt, was ich brauche. Ich achte darauf, dass es mir physisch und psychisch gut geht. So weit ich das beeinflussen kann. Ist ja nicht immer möglich. Ich mache, wenn es geht das, was ich gerne mache: singen, schreiben, bewegen, Konzerte besuchen, Freunde treffen, lesen und ja, sogar arbeiten und vieles vieles mehr.

Das Leben zu genießen mit all seinen Facetten ist die beste Prävention, denke ich heute (aber ich bin wahrlich keine Ärztin). Damit meine ich nicht irgendetwas zu übertreiben. Meine Krankheit hat mich so vieles gelehrt. Ob ich damit recht habe, weiß ich natürlich nicht. Aber solange es mir gut geht, wird es schon passen.

Und zu meinem Wohlbefinden gehören halt manchmal auch Pommes.

Und Pommes sind ja auch Gemüse. Oder? ;-)

© Kristina Fenninger 2020-01-13

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