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#summerchallenge

Tierische Ferien

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Tierische Ferien | story.one

Lange wollten mein Freund und ich einen Hund. Da wir beide aber voll berufstätig waren, kam es für uns nicht infrage.

Als ich dann aber Tagesmutter wurde und begann daheim zu arbeiten, überlegten wir es uns nochmal. Und ja, wir kamen zu dem Entschluss. Ein Hund muss ins Haus. Aber nein, kein Hund vom Züchter, sondern ein Straßenhund. Ich rief also bei der Organisation an, von der meine Eltern unseren Timmy hatten, einen Lausbuben aus Teneriffa. Da es für uns wegen meines Berufes sehr wichtig war, dass er kinderfreundlich ist, entschieden wir uns für Benny, einen angeblich sehr kinderlieben Rüden. Gesehen haben wir ihn vorher nur auf Fotos und Videos.

Beide haben wir uns vier Wochen Urlaub genommen. Zwecks perfekter Eingewöhnung unseres Schützlings. Voller Freude besorgten wir Leine, Körbchen und Co.

Ca. eine Woche bevor Bennys lange Reise ins Glück starten sollte, bekamen wir die Nachricht, dass er an Herzwürmern leidet. Eine äußerst komplizierte Erkrankung, die nicht einfach mit Entwurmungskuren behandelt werden kann. Die Würmer mussten getötet werden, aber langsam und nicht alle auf einmal. Sonst hätte die Gefahr bestanden, dass sich die Arterien verstopfen und der Hund daran stirbt. Die Organisatorin erklärte mir, dass sie den Transport storniert hat. Ich war unglaublich traurig und setzte alles daran, dass sie den Transport wieder buchte. Wir wollten ihn trotzdem herholen und in Österreich oder Deutschland behandeln lassen. So ging es ihm ja gut. Wer weiß, ob er in Rumänien eine Überlebenschance hätte. Und sie tat es auch.

So kam Benny Ende Juli 2017 nach ca. 24h beschwerlicher Reise bei uns an. Die Nacht davor machte ich kaum ein Auge zu. Wir waren so aufgeregt.

Dann führte ich viele nervenaufreibende Telefonate mit der Vermittlerin, die sehr fertig auf mich wirkte, erklärte sie mir doch öfters, dass sie jede Nacht nur 3 Stunden schläft und einmal gestand sie mir um halb sechs am Abend, dass sie noch nicht gefrühstückt hatte. Keine Therapie, die unsere Tierärzte vorschlugen, war ihr recht. Es war alles so kompliziert und verwoben. Ich dachte, ich muss so tun, wie sie sagt. Ich hatte Angst, dass sie mir den Hund sonst wieder wegnimmt. Wir haben ja nur einen Pflegevertrag. Darum pfiffen wir nach ihrer Pfeife, aber ich war fertig. Irgendwann einigten wir uns auf eine Therapie. Eine schwierige Zeit mit viel Speiberei wegen der Medikamente begann. Jede Nacht mussten wir mehrmals aufstehen, um seine Kotze zu beseitigen. Auch hatte er starken Durchfall. Er tat uns sehr leid. Wie gut, dass wir Ferien hatten. So konnten wir uns sehr gut um ihn kümmern.

Leichter wurde es genau da, als wir wieder arbeiten mussten. Jetzt musste er keine Tabletten mehr schlucken, sondern er bekam über ein Jahr nur noch weniger beschwerliche Spritzen.

Die Mühe hat sich gelohnt. Im Herbst 2018 konnte man keine Würmer mehr nachweisen. Benny gilt somit als gesund. Auf noch viele weniger beschwerlichere Ferien, mein Benny. Ich liebe Dich.

© Kristina Fenninger 2019-07-12

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