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#mutmacher#verletzlichkeit

Verletzlichkeit

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Verletzlichkeit | story.one

“Offenheit macht verletzlich”, sagt meine Freundin zu mir. Wie recht sie hat.

Ich saß da und schrieb einen Brief an ihn. Gefühle verspürte ich, die sich nicht mehr leugnen ließen und die ich auch gar nicht mehr leugnen wollte. Sie waren so schön. Sehr nervös ließ ich ihm den Brief zukommen. Und schreibt man jemandem so einen Brief, ohne die Gefühle des anderen zu kennen, macht man sich seelisch fast nackt. Man muss damit rechnen, dass man eine Abfuhr bekommt. So war es auch in diesem Fall. Ich war traurig, sehr traurig. Ich war verletzt. Doch freute ich mich auch, dass ich mich getraut hatte, diesen Schritt zu gehen. Ich bereute ihn nicht – im Gegenteil. Einige Male hatten wir uns dann noch gesehen, telefoniert und geschrieben, ehe der Kontakt abriss. Die Schmerzen sind überwunden. Doch bleibt die wunderschöne Erinnerung an die Gefühle, die dieser Mann in mir auslöste.

Ich bin kein Mensch, der seine Gefühle versucht zu kaschieren. Auch will ich den Kindern, die ich in meinem Leben immer mal wieder begleiten darf, mitgeben, ihre Gefühle auszuleben, auch die negativen wie Wut müssen einen gesunden Platz bekommen. Und wenn jemand weinen will, so muss das auch erlaubt sein. Doch dem ist nicht immer so. Leider.

“Offenheit macht verletzlich." Doch ich werde sie weiterhin leben. Ich habe wenig Angst vorm Scheitern, vor Verletzungen und Fehlern. Viel mehr würde ich mich ärgern, müsste ich eines Tages sagen: “Hätte ich mich doch nur getraut, meine Gefühle zu leben, hätte ich mich doch nur getraut, meinen eigenen Weg zu gehen.”

© Kristina Fenninger 2021-09-30

mutmacher

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