skip to main content

#ganzwien

Von Eskalation und nächtlicher U-Bahnfahrt

  • 167
Von Eskalation und nächtlicher U-Bahnfahrt | story.one

Nein, ich ließ mich von der Müdigkeit nach gefühlten 10 Tagen durchgehendem Frühdienst nicht in die Knie zwingen. Mein Freund, seine Brüder, eine Schar Freunde und ich fuhren nach Wien zum Donauinselfest. Bei glühender Hitze machten wir uns auf die Suche nach der für die Nacht gemieteten Wohnung. Als wir sie endlich fanden, musste der bereitgestellte Wein in der Karaffe gleich getrunken werden. Wäre ja schade drum gewesen. Danach ging es auf die Insel. Die Mücken waren besonders fleißig an diesem Tag, und so sahen wir noch vor Konzertbeginn aus wie ein Streuselkuchen. Da konnte auch der Insektenspray keine Hilfe leisten. Sie ignorierten ihn gekonnt.

Wir chillten in der Wiese, tranken nicht nur ein Bier und genossen das einmalige Feeling beim Fest. Als Amy Macdonald auftrat, wurden mein Freund und ich um Jahre zurückversetzt. Hörten wir doch ihr Album immer beim Autofahren, damals, als wir zusammen kamen. Beim Kompliment der Sportis sprang ich rum, was das Zeug hielt. All jene, die mit mir schon mal ein Konzert besucht haben, wissen, wovon ich spreche. Für alle anderen: Mein Takt- und Rhythmusgespür ist nicht gerade das Beste. Meine Gefühle eskalieren, wenn mir ein Song besonders gut gefällt, und es gibt dann quasi kein Halten mehr. Ich kann mir gut vorstellen, wie das aussieht, aber egal. Ist ja schön, wenn man solche Momente erleben darf wie ich damals auf der Donauinsel. Jedenfalls für mich.

Als M., mein Schwager in Spe, auf die Toilette musste, beschloss ich, ihn zu begleiten. Er war wirklich alles andere als nüchtern, und ich machte mir Gedanken, dass er uns verlieren könnte. Aber das hat nichts geholfen, weil verloren haben wir uns trotzdem. Als das Spektakel dann vorbei war, begannen wir ihn zu suchen. Sein Handy war ausgeschaltet. Wohl war der Akku leer. Als wir die Donauinsel verließen, sahen wir, dass die Polizei am Fluss einen Großeinsatz hatte. Ich machte mir Sorgen. Meine Freundin fiel mir ein, welche in ihrem Rausch einmal am liebsten in die Salzach gesprungen wäre. Durch ein Gespräch mit der Polizei fanden wir heraus, dass es nicht M. war, der den Einsatz ausgelöst hatte. Irgendwann beendeten wir die Suche erfolglos und machten uns auf den Weg in unsere Wohnung. Uns waren die Ideen ausgegangen, wo wir ihn noch hätten suchen können. Obwohl total übermüdet und nicht gerade nüchtern, bekam ich vor lauter Sorge kein Auge zu.

Als ich am Morgen aus dem Fenster schaute, erblickte ich M. Was war ich erleichtert! Ein Stein purzelte von meinem Herzen. Fröhlich erzählte er uns, dass er die Nacht in der U-Bahn verbracht hatte. Immer wieder ist er in die eine Richtung und dann wieder zurückgefahren. Als es dann Tag wurde, machte er sich auf den Weg zur Wohnung und wartete, bis wir ihn erblickten. Er wollte uns nicht aufwecken.

Wir frühstückten und bummelten noch etwas durch die Stadt. Zum Abschluss unseres Wien Trips gingen wir auf ein Wiener Schnitzel und einen Almdudler. Auf Bier haben wir gerne verzichtet an diesem Tag.

© Kristina Fenninger 2019-09-20

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.