skip to main content

Von Zeichen und Wundern

  • 243
Von Zeichen und Wundern | story.one

Ich stellte meinen Pfeiffenkessel auf den Holzofen und gab Pfefferminzblätter aus dem Garten in den Teebeutel. Während sich das Wasser erhitzte, machte ich meinen Hund Benny und mich zum Gassi gehen bereit. Vorsichtig goss ich das heiße Wasser über den gefüllten Teefilter. Die Thermoskanne packte ich in meinen Rucksack. Wir zwei stiegen ins Auto und machten uns auf den Weg in ein nahe gelegenes Naturschutzgebiet. Dort angekommen, spazierten wir fröhlich los. Ich genoss die mystische Stimmung im abendlichen Moor sehr.

Schon mehrere Male und hauptsächlich in Bachnähe haben wir in diesem Gebiet einen Eisvogel gesichtet. Jetzt aber schon längere Zeit nicht mehr.

Als wir die Brücke des Baches erreichten, wollte ich mein Glück wieder einmal versuchen. Wir standen da und warteten, aber nichts tat sich. Plötzlich hatte ich eine Idee. In Gedanken sagte ich: „Wenn ich jetzt einen Eisvogel zu Gesicht bekommen, dann sehe ich das als Zeichen, dass der Dino (für alle, die meine Dino Geschichte nicht kennen: Der Dino ist ein Bekannter von mir, welcher gerade zum zweiten Mal gegen Blutkrebs kämpft) ganz bald wieder ganz gesund sein wird.“ Schon öfter zuvor stellte ich dem Universum solche Fragen. Aber meist ergebnislos.

Ich goss mir heißen Tee ein und wartete. Als sich längere Zeit nichts tat, machten wir uns auf den Rückweg. Ich war schon etwas enttäuscht. Kurz nachdem wir die Brücke verlassen haben, hörte ich ein schrilles Pfeifen. „Das war er jetzt der Eisvogel“, dachte ich mir und ärgerte mich etwas über meine Ungeduld. Wir machten eine Kehrtwende und gingen, ich auf Zehenspitzen, auf die Brücke zurück. Den Bach entlang ist nämlich überall Gebüsch und man hat somit keine Sicht auf das Gewässer. Natürlich war er schon wieder weg. Schon öfters aber war es so, dass wenn der Vogel den Bach runtergeflogen ist, er sich auch wieder auf den Rückweg machte und zurückflog. Also standen wir wieder eine gefühlte Ewigkeit da und warten. Nochmal wollte ich ihn mir nicht entgehen lassen.

Und dann tatsächlich hörte ich ihn wieder, und wenige Augenblicke später erblickte ich ihn. Ich freute mich so sehr. Frohen Mutes machten wir uns auf den Nachhauseweg. Eine mir entgegenkommende Spaziergängerin begrüßte ich ganz überschwänglich. Mir kam vor, sie war etwas verwundert. Aber das war mir sowas von egal. Was für ein wunderschönes Zeichen. Ich glaube ganz fest daran, dass mich das, was es da oben auch immer geben mag, nicht angelogen hat.

© Kristina Fenninger 2019-09-06

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.