skip to main content

#weihnachten#glatzkopf

Wasser

  • 114
Wasser | story.one

Der Sommer 2018 war heiß – sehr heiß. Ich lag viele Wochen lang im Krankenhaus auf einer Isolierstation. Oft sehnte ich mich sehr danach, meine Füße in einem kalten Gebirgsbach zu erfrischen. Doch ich durfte nicht raus.

Als ich dann aber doch für einige Tage heim konnte, suchte ich einen kleinen kalten Teich auf und erfrischte mich. Ich war zufrieden, doch wollte ich mehr, immer mehr. Aber, weil halt in Gewässern so einiges keucht und fleucht wäre es zu gefährlich für mich gewesen, ganz darin zu baden. Mein Immunsystem nämlich war im Keller. So ließ ich es lieber bleiben, wer weiß, was ich mir eingefangen hätte.

Im September aber war die Therapie beendet. Es war noch immer sehr warm. Nach einem Spaziergang konnte ich nicht anders. Ich riss mir die Kleider vom Leib und zog den Bikini an. Vor mir lag ein herrlich klarer, verführerischer Bergsee. Ganz langsam und vorsichtig ging ich hinein. Kalt war das Wasser - eiskalt. Ohne Haare am Kopf fühlte es sich noch viel kälter an. Doch ich war stolz. Ich hatte gewonnen und durfte wieder baden. Einfach unbeschreiblich, dieses Gefühl.

Ich schwamm ein paar Meter und dann wieder zurück. Das tägliche Training im Krankenhaus machte sich bezahlt. Ich hatte nicht völlig abgebaut.

Beim Verlassen des Wassers fühlte ich mich beinahe wie neu geboren. Das Negative ließ ich so gut wie möglich zurück.

Meine Schwester machte dieses Foto von mir, welches das Titelbild dieser Geschichte ist. Ich mag es sehr gerne, vielleicht deshalb, weil ich so glücklich war in diesem Moment und ich darauf so strahle.

Nach Wasser sehne ich mich auch immer zur Weihnachtszeit. Allerdings nach Wasser in Form von Schnee. Ohne Schnee fühlt sich Weihnachten nicht wirklich wie Weihnachten an. Doch frage ich mich dieser Tage, wieso ist Schnee so wichtig für das Gefühl von Weihnachten? Soll ich dieses Gefühl nicht tief in mir spüren, egal ob es schneit oder regnet? Braucht es für das Weihnachtsgefühl wirklich Schnee, oder kommt es doch auf was ganz anderes an?

© Kristina Fenninger 2020-12-23

mutmachereinfotoundseinegeschichterebelgirlsKrebs

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.