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Weißwürst, Brezn und ein Summen

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Weißwürst, Brezn und ein Summen | story.one

Es war ein knallheißer Sommertag im Jahr 2019. Um wieder einmal bayerische Luft zu atmen, verbrachte ich den Tag mit einer Freundin an einem kalten, klaren Bergsee in Ruhpolding. Bevor wir beide dann endgültig zu Glühwürmchen mutierten, brachen wir auf.

So eine richtige Trendsetterin war ich ja noch nie. Das gebe ich hier wirklich ganz offen und ehrlich zu. Auch beim Trend der vegetarischen Ernährung machte ich trotz aller Liebe zu den vierbeinigen Lebewesen nicht mit. Und schon gar nicht wurde ich Veganerin.

Ich ging also einkaufen und besorgte Weißbier, Händlmaiersenf (what else), Weißwürste (beim Metzger meines Vertrauens) und richtig resche Brezen.

Danach machte ich mich auf den Weg in mein jetziges Zuhause am Wallersee. Ich sah mich schon auf der Terrasse, mein Abendessen genießend.

Zu Hause angekommen machte ich voller Vorfreude die Würstl heiß und deckte den Tisch auf der Terrasse auf. Ich atmete tief durch. „So lässt es sich leben“, dachte ich mir. Weil halt das Würstl-Zuzeln so gar nicht meines ist, schnitt ich Radl für Radl runter. Ehe ich die Hälfte der ersten Wurst verspeist hatte, hörte ich schon ein wirklich bedrohliches Summen. Ich erschrak ganz fürchterlich. Ein Bissen blieb mir im Hals stecken. Ich begann fürchterlich zu husten. Ein Schwarm Bienen war im Anflug. Wohl merkend, dass es da süßen Senf gibt, noch dazu bayerischen. Also das konnte ich ihnen wirklich gar nicht übel nehmen. Die wussten halt auch, was gut war, die Bienen. Aber für mich war der kulinarische Spaß dann quasi vorbei. Ich konnte die Insekten zwar noch nicht sehen, aber ich sage dir, das gefährliche Summen reichte mir wirklich schon voll und ganz.

Weißt du, als Kind nämlich hat mich mal eine Biene am Arm gestochen. Dieser schwoll dann so stark an, dass ich sogar zum Arzt musste. Der wickelte meinen Arm dann von oben bis unten in Verband ein. Er sah wie eingegipst aus. Alle dachten damals, dass ich zu blöd zum Rollschuhlaufen war.

Nein, sowas konnte und wollte ich wirklich nicht noch ein zweites Mal riskieren. Weil das halt damals so ganz und gar kein Spaß war. Hysterisch packte ich den Schmaus aufs Tablett und verschwand fluchtartig ins Innere, kalten Angstschweiß schwitzend. Drinnen wollten sie mir dann nicht mehr schmecken, die Würste. Die Furcht hatte sich wahrlich auf den Magen geschlagen.

So sah ich aus dem Küchenfenster und sah sie vorbeifliegen, die DROHNE.

Jessasmaria, es war wohl wirklich ein wenig zu viel Sonne für mich an diesem heißen Tag in Bayern.

© Kristina Fenninger 2020-01-05

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