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#salzburglove

Würstl im Tomaselli

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Würstl im Tomaselli | story.one

Es war ein kalter, aber für mich ein sehr angenehmer Herbsttag. Meine Füße trugen mich über den alten Markt. Ich erblickte das Tomaselli. Noch nie war ich dort gewesen. Also wurde es Zeit für mich, dem ältesten Café in Österreich einen Besuch abzustatten.

Ich suchte mir einen Platz am Fenster, denn ich liebe es, die geschäftig vorbeiziehenden Menschen zu beobachten. Eine Serviererin ging mit herrlich aussehenden Torten durch. Dankend lehnte ich ab. Ich hatte nämlich Lust auf ein kleines Bier und Würstl. Ich äußerte bei einem sehr freundlichem Herrn Ober meine Wünsche. Während ich auf meine Bestellung wartete, genoss ich die für mich ganz besondere Atmosphäre im Café. „Hier gebaren also Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr und Max Reinhardt die Idee der Salzburger Festspiele?“, überlegte ich. „Vielleicht fällt auch mir in diesen Räumen eine Geschichte ein?“, sinnierte ich.

Aber dem war dann nicht so, weil schon bald wurden mir meine Frankfurter serviert. Ich freute mich sehr, hatte ich doch großen Hunger. Das Frühstück war schon lange her. Der Herr Ober servierte mir nicht nur die Würstl, sondern legte mir auch ein Besteck dazu, was ja eh so sein soll. So gehört es sich ja.

Doch Frankfurter mit Besteck essen, das ist nichts für mich. Schließlich finde ich, dass Würstl nur dann richtig schmecken, wenn man sie mit den Händen isst. Ich stellte mir also die Frage: „Darf man im Tomaselli Frankfurter mit den Fingern essen?“ „Hmm“, ich griff zum Besteck. Doch ehe ich es aus der Serviette wickeln konnte, entschied ich mich um. Ich beschloss: Ja, man darf die Würstl auch im Tomaselli mit den Händen essen.

Genüsslich biss ich hinein und tauchte es in Senf und Kren. Dann einen Schluck Bier und einen Bissen von der knusprigen, wahrscheinlich handgeflochtenen Semmel. Einfach herrlich.

Verstohlen blickte ich mich um, ob mich eh niemand argwöhnisch betrachtete. Und nein, das war nicht der Fall. Also ließ ich sie mir schmecken, meine heißen Würste.

Als Nachspeise bestellte ich mir dann eine Melange und eine Sacher mit Schlag, weil die hier besonders gut sein soll, ließ ich mir sagen. Aber keine Angst, ich habe diese dann nicht mit den Händen verspeist.

© Kristina Fenninger 2019-11-10

Kaffeehaus

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