skip to main content

#krankheit#kinder#hilfe

12. Alleingelassen

  • 186
12.  Alleingelassen | story.one

Am n├Ąchsten Tag fuhr ich in die Nervenheilanstalt Valduna. Man sagte mir, man konnte sie mit Spritzen beruhigen und man wird alles tun, damit sie bald wieder nach Hause kommen kann. So wurde ich mit den drei Kindern alleingelassen.

Der Arzt schrieb mich gleich drei Wochen krank, damit ich mich um die Kinder k├╝mmern konnte. Ich bat um eine Familienhelferin und bekam sie f├╝r eine Woche. Einmal in der Woche fuhren wir alle mit der Bahn zu Elfriede in die Klinik.

Der zust├Ąndige Arzt sagte mir: "So schnell kommt ihre Frau nicht nach Hause. Sie ist psychisch schwer krank." Die Familienhelferin kam nur zeitweise. So musste ich sehr viel f├╝r die Kinder da sein, kochen, waschen, b├╝geln lernen, mit ihnen reden und spielen und oft ├╝ber ihre Mami reden. Es war f├╝r uns alle eine schwere Zeit. Von Elfriedes Verwandten kam keiner, um mir zu helfen. Meine Verwandten in K├Ąrnten h├Ątten mir geholfen. Aber sie waren so weit weg. Die Gemeinde Hard war die einzige, die uns wirklich half und ├Âfters eine Familienhelferin schickte.

Ich wurde noch weiter krankgeschrieben, um bei den Kindern sein zu k├Ânnen. Irgendwie meisterten wir zusammen die Zeit. Meine Jungs waren brav und halfen mir, wo sie nur konnten. Andreas ├╝bernahm die Haushaltspflichten. Dann, Gott sei Dank, verschaffte mir ein Kollege der Gewerkschaft eine Familienhelferin aus Tirol. Die musste ich selber bezahlen. Sie war sozusagen bei uns besch├Ąftigt. Ich zahlte ihr den Lohn. Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz zahlte mir einen gro├čen Betrag zur├╝ck. Die Familienhelferin schlief bei uns und war Tag und Nacht f├╝r die Kinder da. Das war wunderbar f├╝r uns. Sie fuhr oft mit den Kindern und mir zu Elfriede. Sie freute sich, dass wir versorgt waren.

Elfriede war schon einige Monate in der Valduna. Da sagte ein Arzt, der Elfriede behandelte, zu mir: "Herr Mikula, ich bin nicht mehr lange hier. Ihre Frau ist noch nicht geheilt, nehmen sie sie nach Hause. Denn wenn ich weg bin, kommt sie nicht mehr aus der Nervenheilanstalt. Probieren sie es mit ihr. Ich wei├č, es wird sehr schwer sein. Das ist die einzige Chance die sie haben." "Danke, Herr Doktor, f├╝r ihre Offenheit."

Ich nahm Elfriede nach Hause, obwohl sie durch die Behandlung mit den Medikamenten und Elektroschocks nichts mehr selbst machen konnte. Sie wusste nicht mehr genau wie man aufstand, kochen konnte sie ├╝berhaupt nichts mehr und die Hausarbeit sowieso nicht. Sie war ganz auf die Hilfe der Familienhelferin angewiesen, die noch bei mir besch├Ąftigt war. Bis diese uns verlassen w├╝rde, musste Elfriede soweit sein, um gemeinsam mit uns das Wichtigste im Haushalt selbst├Ąndig erledigen zu k├Ânnen. Nach 8 Monaten sagte unser "Guter Engel", sie k├Ânne nicht mehr bei uns bleiben und m├╝sse wieder zur├╝ck nach Tirol. Sie verstand sich mit den Kindern sehr gut und sorgte prima f├╝r uns. Sie war streng aber gerecht. Es kam der Tag, an dem uns die Familienhelferin verlie├č.

Bild: Daniel, Kurt, Reinhard und Andreas auf der Gartenmauer

┬ę Kurt Mikula 2019-08-30

Kommentare

Geh├Âre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ├╝ber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.