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#hoffnung#unabhÀngigkeit#unsicherheit

Der kalte Winter 1950

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Der kalte Winter 1950 | story.one

Ich war gerade eine Woche daheim, als meine Mutter einen Telefonanruf bekam. Ich soll meinen Bruder Thomas, zum Hauptbahnhof Villach, ein paar Sachen bringen. Er will von dort weiter nach Vorarlberg fahren um sein Handelsakademie-Studium abzuschließen. Meine Mutter sagte: "Bitte Toni, bring du den Koffer dem Thomas." Ich weiß noch genau, es war der 21. JĂ€nner 1950, mitten im Winter und sehr kalt. Meine Winterbekleidung war sehr dĂŒrftig und im Zug nach Villach war es auch sehr kalt. Die ZĂŒge waren damals, kurz nach dem Krieg, schlecht geheizt.

Am Villacher Bahnhof wartete schon mein Bruder auf mich. Wir begrĂŒĂŸten uns herzlich. Thomas sagte mir auch, dass er in Graz zum Fertigstudieren war. Doch in Graz konnte er das Studium nicht finanzieren. Er erfuhr, dass man in Vorarlberg bessere Möglichkeiten hatte. So will er gleich mit dem nĂ€chsten Zug nach Vorarlberg weiterfahren.

Ich wollte schon wieder zurĂŒck nach Hause fahren, als mein Bruder so ĂŒberzeugend auf mich einredete, ich solle doch mit nach Vorarlberg fahren. Dort gĂ€be es jetzt keinen Schnee und er bewohnt in Bregenz schon ein kleines Zimmer. Dort könne ich bei ihm wohnen. Und eine gute Stelle im BĂŒro eines großen Elektrohauses hat er auch schon fĂŒr mich. "Ja, aber die Mutter weiß nichts davon." "Macht nichts", sagte er, "ich werde ihr schon schreiben." Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Alles schien so verlockend. "Schau", sagte er, "ich werde schon alles fĂŒr dich regeln. Der Zug fĂ€hrt gleich ab, komm steig schnell ein." So kam ich nach Vorarlberg.

Wir kamen in Bregenz an und gingen gleich zu seinem Zimmer. Es war nicht weit vom Bahnhof entfernt, in einem alten einstöckigen Haus. Wir wollten gerade das Zimmer betreten. In dem Moment hörten wir eine Stimme hinter uns: "Nix da", sagte diese Stimme und wandte sich dem Thomas zu, "du hast das Zimmer bis jetzt nicht bezahlt und nun bringst du auch noch jemanden mit. Pack deine Sachen und raus mit euch." "Oje", dachte ich, "ein schöner Empfang.

Und wohin jetzt im JĂ€nner bei dieser KĂ€lte?" Mein Bruder sagte: "Ich weiß zwar nicht wohin, aber mir fĂ€llt grad ein. In der NĂ€he gibt es ein ganz altes Hochhaus, noch mit Holzstiegen das keinen Lift hat. Dort wohnt im achten Stock eine Frau Walter. Sie ist gehbehindert und schon alt. Die braucht oft Kohle und Holz. Dort könnten wir fragen, ob sie uns vorĂŒbergehend im Gang oder auf dem Boden schlafen lĂ€sst."

Wir gingen zu ihr. Sie erkannte Thomas gleich. "Ja, wen bringst du denn da mit?" fragte Frau Walter. "Das ist mein Bruder Toni. Bitte Frau Walter, könnten ich und mein Bruder ein paar Tage bei ihnen im Gang oder sonst wo schlafen. Ich habe nĂ€mlich mein Zimmer aufgeben mĂŒssen." So erfuhr sie auch, wie ich nach Vorarlberg kam und bot uns eine Schlafmöglichkeit an.

(nach den Tagebuchaufzeichnungen meines Vaters)

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Bild: Mein Vater vor seinem Elternhaus in KĂ€rnten

© Kurt Mikula 2019-07-17

Kriegs- und Nachkriegszeit

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