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#mamawahnsinn#kindergeschichten

Sagt dir ja vorher niemand!

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Sagt dir ja vorher niemand! | story.one

Ein Samstag voller Besorgungen steht an. Es hat sich eine lange Liste an Dingen zusammengeläppert, die eingekauft und erledigt werden müssen. Und im nicht unwesentlichen Schlepptau: eine 3-Jährige in der Trotzphase und ein 8 Monate alter kleiner Grinsekeks samt Offroad-Kinderwagen und Buggyboard. Ein Koloss mit ca. 3 Kilo Proviant zieht los.

Mein Mann und ich steuern unser kreuzfahrtschiffgroßes Kindermobil durch die enge Innenstadt: Ich, mit Liste in der Hand und 100 Dingen im Kopf; mein Mann, die Ruhe selbst, steuert das Schiff.

Heute u.a. am Programm: neue Unterwäsche für Mama, deren Busen nach zwei Stillkindern nicht mehr für die alten BHs geschaffen ist. Also heißt es Unterwäsche probieren. Im Miniaturladen, mit gefühlt 80 cm breiten Durchgängen quetscht sich die Familie an Pushups, Strings, Miedern und Periodenslips vorbei. Es folgen in Hallenlautstärke 12 Fragen und Anmerkungen pro Sekunde von der Tochter: “Was ist das? Wieso ist an der Unterhose kein Popo dran? Mama, du hast auch sowas!"

Endlich mit einem BH, der hoffentlich passt, in der Garderobe angekommen, beschließt mein Mann geistesanwesend lieber draußen mit den Kindern zu warten, bevor die nackte Mama mit einem “Tadaaaa” noch vom Töchterlein mit weggerissenem Vorhang präsentiert wird.

In Lichtgeschwindigkeit anprobiert, bezahlt und wieder nach draußen gesprintet, erfahre ich per SMS, dass sie in einem anderen Laden sind. Dort will mein Mann gerade einen Anzug probieren, während die Kinder aber unpässlich werden. Alle Hunger. Er hat begonnen Brei zu füttern, ich übernehme. Die Große will eine Banane, deren Reste sich 3 Minuten später an allen 10 Fingern befinden. Das Breiglas des Kleinen noch halb voll, sagt das Bananengesicht: “Mama, ich muss gacki!” Mein Blick schweift durch die Anzugabteilung, wo mein Mann gerade in Hosen und Sakkos wühlt. Ich deute ihm, er übernimmt. Mit dem Töchterchen im Eiltempo aufs Klo gerannt, in meiner Jacke hat es bereits 100 Grad.

Wieder zurück bei den Männern besprechen wir, ob der anprobierte Anzug passt oder nicht, wobei ich unser Schiff samt Proviant zusammenpacke und wieder aufräume, um dann zur nächsten Station zu gehen. Da bemerke ich beiläufig: “Weißt du, wo mein Sackerl mit der Unterwäsche ist?” Mein Mann ratlos, unser Bananenzwerg sagt stolz: “Ich habs versteckt!”

In einer Anzugabteilung eines Großkaufhauses hat ein 95 cm großes Persönchen mein Sackerl mit teurer, zusammengesparter Unterwäsche versteckt. Sagt dir ja vorher niemand, wenn du Kinder kriegst. Gehört aber in die Kategorie “Gut zu wissen, was da so kommt".

Wir steuern suchend an allen Anzugständern vorbei.

Endlich, mitten in einem der 2 Millionen Ständer: Mamas Spitzentraum im Sackerl.

Wir beschließen, dass es für heute genug ist, die Ruhe ist selbst bei meinem Mann verflogen. Wir packen die Kinder zusammen, steuern den großen Spielplatz an und packen die Liste weg. Die Sonne kommt raus und ich schmeiß mich mit dem Töchterlein auf die Wippe.

© LaKaefa 2021-02-26

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