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#gedanken#liebe#ungewissheit

Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.

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Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. | story.one

Das Leben in den Straßen von der kleinen Stadt ist wie ausgerottet, während das Verlangen nach lachenden Menschen ihn überkommt bei jedem riskanten Schritt, den er unter diesem grauen Himmel in Richtung unbekannten Abgrund, auch Leben genannt, macht. Rechts neben der Straße, im kleinen grünen Seitenstreifen, kann man die ersten Blumen blühen sehen, farbenfroh, aber in diesem Moment, als er nach einem winzigen Gänseblümchen greift, wirkt es traurig und hoffnungslos. Grau. Nichts als grau...selbst die gelbe Mitte, die nun neben einem einzigen weißen Blättchen übrig bleibt, scheint dunkler als der Himmel. „Sie liebt mich nicht“ ,hört er sich hinter der Zupfmelodie eines Gitarrencovers murmeln. Immer wenn er solche Lieder hört, dauert es nicht lange, bis seine Gedanken bei Vorstellungen hängen bleiben.Bei ihnen. Nur sie beide, und sie sitzen dort, auf dem kleinen Grünstreifen, an einen Baum gelehnt, sich gegenseitig schützend und an nichts anderes denkend als aneinander, um sich zu lieben. Er hört ihre Stimme sprechen, spürt ihre Tränen fließen, ihre Beine zittern. Stille. Das Lied ist vorbei. Er wirft den Strunk des Blümchens weg, wischt sich seine Tränen vom Gesicht und schaut sich um. Er merkt nur flüchtig, wie er seinen zerkauten Kaugummi ausspuckt, und dabei insgeheim hofft, dies mit seinen Gefühlen auch tun zu können. Amor hat ihn getroffen , mit seinem rosa Pfeil, ohne ein Gegenstück zu wählen, und nun ist er besessen. Von der unerreichbarsten Liebe, die langsam, wie ein Sonnenaufgang immer höher am Himmel steht. Er hört ein Quietschen, wie Kreide auf Tafel, und bemerkt den Zug, welcher am Ende der breiten Straße in den Bahnhof einfährt. Er sollte rennen, in den Zug steigen und auf Google Maps ihre Adresse eingeben. Er sollte aussteigen, an der richtigen Station und sie aufhalten. Aufhalten davon, ihn zu vergessen. Er sollte sie umarmen und ihr sagen „Alles wird gut, denn ich liebe dich“. Sie würde erwidern, den Satz, der nichts bedeutet, denn es ist ja nur ein Satz, doch er ist wunderschön. Der Satz. „Alles wird gut, denn ich liebe dich auch.“ . Und ja, er sollte jetzt, jetzt sollte er rennen. Die Türen piepen. Er sollte sich bemerkbar machen.Schreiend dem Zug hinterherrennen, wenn er zu spät kommt und das richtige getan haben, im richtigen Augenblick.

Er wird schneller und schneller bei jedem Gedanken, den er verschwendet und jeder Schritt bestärkt ihn, bis er ankommt, direkt vor den Türen steht und schweigt. Alles schweigt. Selbst der letzte Song, der langsam sein Ende nimmt, scheint zu schweigen. Die Türen schließen sich. Langsam. Und er staunt, wie leise es scheint, und wie laut zugleich seine Vorstellungen, zusammen mit dem Lied, zu Ende gehen und alles schweigt. Er starrt, doch er starrt nur ins nichts. Oder nichts ist dort nicht, denn sonst könnte er es nicht anstarren. Und das Schweigen bricht. Durch ihre Stimme, die sich in seinem Kopf breit macht. „Es ist gut so, denn ich liebe dich nicht.“

© Leonike 2021-02-13

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