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Von bauchschwabbelnden Schmetterlingen

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Von bauchschwabbelnden Schmetterlingen | story.one

Eine meiner Freundinnen ist gerade schwer verliebt. Hin und weg, mit Herzchen in den Augen, feuchten Händen und kurzer Aufmerksamkeitsspanne hinsichtlich allem, was nicht 'ihn' betrifft. Das ganze frisch verliebte Klimm-Bamm-Borium. Ihre Euphorie ist wunderschön anzusehen. Gleichzeitig bin ich fast ein bisschen wehmütig und seh' mich auch ein wenig leid. C. und ich sind schon eine Weile zusammen.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Um nichts in der Welt würde ich meinen Herzbuben eintauschen. Aber, nach mehreren Jahren, die man gemeinsam durchs Leben geht, kennt man sich irgendwann so gut wie die eigene Jeans-Tasche. In meinem Fall zumindest. Ich trag' so gut wie nie Westen, drum kenn' ich deren Taschen nicht. C. mich natürlich ebenso. Seines Zeichens übrigens ebenso Westenverweigerer.

Irgendwann fühlt man sich nicht mehr ganz so stark elektrisiert, wenn der andere auf einen zukommt. Natürlich gibt's noch Spannungen: Bei Diskussionen über herumliegende Socken zum Beispiel. Dabei entlädt sich auch so einiges. Das gleicht gefühlsmäßig aber eher einem Griff in den Starkstrom, als dem erwartungsvollen Prickeln frischer Verliebtheit. Wenn man lange genug zusammen ist, wird auch die Neugier langsam weniger. Schließlich kennt man die Macken und Schrullen des Anderen mittlerweile schon gut.

Ja. Die Anfangszeit. Die ist etwas ganz Besonderes. Kribbelig, spannend, leidenschaftlich, aufregend. Mit Millionen Schmetterlingen im Bauch.

"Ach, die D. ist sooo verliebt. So süß und so schön, wenn man so Bauchkribbeln hat ganz am Anfang", sag ich zu C., nachdem ich ihm von der Liebschaft meiner Freundin erzählt habe. "Hmmm... Ich bin froh, dass ich nicht mehr die ganze Zeit so nervös bin. Das war schon echt anstrengend", entgegnet er, pragmatisch wie er ist, neben mir auf der Couch liegend. Er setzt sein unwiderstehliches, Spitzbuben-Lächeln auf und zieht mein Shirt nach oben. Dann schaukelt er mit seinen Händen meinen Bauch wild mehrmals von einer Seite zur anderen: "Dafür tun wir gegenseitig Bauchschwabbeln... Das tut man am Anfang noch nicht!" Lauthals beginne ich zu lachen. Wo er recht hat, hat er recht.

Wir kuscheln uns zusammen, freuen uns über unsere Verbundenheit. Genauso über die tiefe Vertrautheit. Beides Dinge, die wir uns erst im Laufe der Zeit erarbeitet haben. Ja, irgendwann flattern die Schmetterlinge nicht mehr ständig aufgeregt durch den Bauch. Schließlich werden sie mit zunehmendem Fortschritt der Beziehung selbst auch älter. Und hey, ich kann mir vorstellen, dass es sich mit Rollator gar nicht mehr so einfach fliegt.

Sie geben dadurch aber Raum frei. Für ein Gefühl der Heimat. Der sichere Hafen, den man im anderen gefunden hat. Mit allem was dazu gehört: Leidenschaft, Liebe, Verbundenheit, Freundschaft und Rückenwind. Und manchmal auch einer 400 Volt Spannung, wenn man sich wegen (oftmals) Nichtigkeiten in den Haaren liegt.

© Lia Pipa 2020-07-26

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