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#aufbruch#familie#neubeginn

Kapitel 1: Aufbruch

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Kapitel 1: Aufbruch | story.one

Gelangweilt lehnte ich mich leicht aus dem Autofenster und betrachtete die vorbeirauschenden BĂ€ume. Der Fahrtwind blies mir meine Haare ins Gesicht und ließ meine Augen trĂ€nen. Ich seufzte angespannt, legte den Kopf auf meinen Arm und schloss die Augen. Nervig. So nervig. Einfach alles. Ich verstand nicht, warum wir unbedingt umziehen mussten. Zu Hause war doch alles gut gewesen. Aber meine Meinung zĂ€hlte ja nicht. Das tat sie nie und jetzt, wo Mutter nicht mehr da war, schon gar nicht. Sie hatte immerhin noch zu mir gehalten. Und jetzt war sie weg. Hatte mich einfach allein gelassen.

Gut, ich hatte noch meinen Vater, aber er war seit dem Unfall nicht mehr derselbe. Das waren wir beide nicht. Doch das mit dem Umzug wĂ€re trotzdem nicht nötig gewesen. Die Familie meiner Mutter hatte uns einen Brief geschrieben und uns eingeladen, zu ihnen in das Haus zu ziehen, das schon seit Generationen in ihrem Besitz war. Wir hatten vorher kaum Kontakt zu ihnen und Mutter hatte sie nur selten erwĂ€hnt. Deshalb wunderte ich mich noch mehr, dass Vater das Angebot angenommen hatte und wir jetzt dort hinfuhren. Er meinte zwar, dass wir noch zurĂŒckgehen konnten, wenn es uns dort nicht gefĂ€llt, aber ich wusste, dass das nicht passieren wĂŒrde.

Ich konnte es in seinen Augen sehen. Vielleicht hoffte er Mutter nĂ€her zu sein, wenn er an dem Ort wohnte, an dem sie aufgewachsen war. Vielleicht wollte er auch nur mehr ĂŒber ihre Vergangenheit herausfinden. Immerhin hatte sie kaum darĂŒber gesprochen. Selbst ich musste zugeben, dass ich neugierig war. Auch ich wollte ihre Familie kennenlernen. Sehen, wo sie aufgewachsen war. Aber gleich dort hinziehen? Das war ja wohl nochmal etwas anderes. Wir fuhren schon eine ganze Weile und ich hatte das GefĂŒhl, dass nicht nur das Internet immer weniger wurde, sondern auch die Zeichen von Zivilisation.

Der Ort hatte mir auch nichts gesagt. Anderdorf. Auch eine kleine Google-Recherche hatte keine Erleuchtung gebracht. Ich konnte weder Bilder noch sonstige EintrĂ€ge von diesem Ort finden. Als wĂŒrde er nicht existieren. Mein Verdacht wurde immer grĂ¶ĂŸer, dass es dort gar kein Internet mehr gab. Das wĂŒrde ja toll werden. Abgeschnitten von der Außenwelt, an einem Ort, den das Internet nicht kannte. Könnte auch ein guter Horrorfilm sein. WĂ€re es einer, dann wĂŒrde ich sicherlich zuerst sterben. Ich war in so was gar nicht gut. Der Gedanke beunruhigte mich und ich versuchte, an etwas anderes zu denken.

© Lisa Koscielniak 2021-06-12

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