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Typisch Frau

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Typisch Frau | story.one

The same procedure

oder

Wieso nur reagieren Frauen so aufeinander und können sich nicht erfreuen?

Ihr Alltag sieht nicht so wie der vieler anderer berufstĂ€tiger MĂŒtter aus, die den Spagat zwischen Berufsalltag/Familie meistern mĂŒssen. Nicht selbst ausgesucht. Dinge passieren. Aus so manchen MuttergesprĂ€chen heraus erinnert sie sich, wie sehr diese sich wieder nach den beruflichen Anforderungen gesehnt haben und ganz einfach den beruflichen Alltag inmitten von Kolleginnen und Kollegen erleben wollten. Diese Wege standen ihnen offen. Ihr Leben verlief anders. Eine nicht erwĂ€hlte Krankheit trennte sie vom Berufsleben. Medikamente vernebelten ihr Gehirn, verursachten eine erhebliche Gewichtszunahme und ließen ihre Leberwerte in immense Höhe steigen. „Wenn diese Werte ein Alkoholiker hĂ€tte, dann könnte dieser sich daran erfreuen.“ „Das klingt ja nicht gerade erbaulich.", dachte sie. Blödes Ärztegelaber.“ Sie sagte nichts weiter dazu, aber geriet in Sorge. Ihre Ärztin ĂŒberwies sie zu einem Facharzt, der jedoch keine bösartige Erkrankung feststellte, sondern diese körperlichen Ausartungen mit der Medikamenteneinnahme erklĂ€rte. Die Medikation wurde entsprechend verringert. Innerhalb von wenigen Monaten reduzierte sich ihr Körpergewicht um etwa 25 kg.

Seit etwa zwei Jahren hat sie wieder ihr altes Gewicht. Sie fĂŒhlt sich körperlich gut und ist aktiver geworden.

Walking gehört zum alltĂ€glichen Programm. Mitunter begegnen ihr Leute, mit denen sie so manches gute GesprĂ€ch fĂŒhrt. Auch an diesem Morgen eine vertraute Begegnung. Frau Bertram. Aber schon nach den ersten Worten denkt sie. „Am liebsten willst du gar nicht mit ihr reden.“

Frau Bertram..

Diese Dame ist jedes Mal darĂŒber erstaunt, dass sie so viel abgenommen hat. Sie selbst hat Schwierigkeiten damit. Mehrere gescheiterte DiĂ€tversuche. Die Pfunde wollen einfach nicht purzeln. Das Thema DiĂ€ten und Abnehmen sind weibliche Themen. MĂ€nner tauschen sich ĂŒber derartige Themen nicht aus. Sie ist froh ĂŒber ihre Gewichtsabnahme, kann sich aber nicht so recht ĂŒber die scheinbare Anerkennung der Nachbarin freuen, die ihr gleichzeitig signalisiert, dass sie mit ihrer Figur ein Problem hat. Noch mehr unangenehm wird ihr dies GesprĂ€ch, als die Nachbarin Ă€ußert, dass sie so viel Gewicht verloren hat, als ihr Mann gestorben ist. Betreten schaut sie nach unten. Wie kann sie ihre Gewichtsabnahme rechtfertigen? Auf die langwierigen Krankheitszeiten möchten sie nicht zu sprechen kommen. Am besten die ĂŒbliche Antwort: “Ich esse die HĂ€lfte und mache Sport.” “Das mache ich auch. Klappt bei mir nicht.” “Habe mein Pensum gesteigert.” Endlich ist das Thema beendet. Nun folgt Small Talk ĂŒber kids. Erleichterung, Aufatmen. Das Top-Thema ist noch nicht beendet. Innerlich legt sie sich schon einen GesprĂ€chsplan „B“ zurecht, in dem sie mal den Spieß umdreht und Frau Nachbarin bei ihrem Lieblingsthema gebremst wird und dieses verbannen wird.

© Magorie 2021-10-16

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