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Das sehnsüchtig erwartete Date

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Das sehnsüchtig erwartete Date | story.one

Aus einer Laune heraus installierte ich wieder einmal Tinder auf meinem Handy. Meine letzte Beziehung war schon eine Weile her - mal schauen, was sich ergab.

Noch am selben Abend begann ich mit einem Mann namens Philip zu chatten. Anfangs kam das noch recht förmliche "Wie gehts dir?", "Welche Hobbys hast du?" usw., aber innerhalb weniger Tagen entwickelte sich das Gespräch auf eine tiefere Ebene - es war, als würden wir uns schon immer kennen.

Das einzige Problem war, dass Philip in Amstetten wohnte, was nicht gerade ums Eck war. Trotz dieses Wissens chatteten wir auch nach 10 Tagen noch stundenlang miteinander, mittlerweile konnte ich ihn richtig vor mir sehen, als hätte ich ihn bereits kennengelernt.

Immer wieder mal wurde das Thema Treffen angesprochen, das wir beide schon ersehnten. Nur ergab sich wegen unseres vollen Terminplanes und der Distanz nie die Gelegenheit dazu. Immer wieder wurden die Pläne verschoben. Trotzdem spürte ich immer mehr, dass ich dabei war, mich in ihn zu verlieben. Nach einem Monat Chatten und intensiven Gefühlen meinerseits stellte ich ein sanft formuliertes Ultimatum: Ich wollte endlich ein Treffen und wissen, woran ich war! Wir waren doch keine Teenager in einer Chat-Beziehung!

Philip bot an, nach Wien zu kommen. Als Ort schlug er das Technische Museum vor - unkonventionell, aber da er Physik studierte, nicht verwunderlich. Nachdem ich ihn vorgewarnt hatte, dass das für mich sehr peinlich werden könnte, da ich mich in Physik überhaupt nicht auskannte, stimmte ich dem Ort zu.

Am Tag des Dates war ich sehr nervös. Ich bekam in der Früh keinen Bissen herunter, die ganze Fahrt zum Museum saß ich wie auf heißen Steinen. Vor dem Museum wartete Philip bereits. Lächelnd umarmten wir uns. Wir kauften uns Karten und schon ging es los.

Philip merkte bald, dass ich bezüglich meiner Physik-Kenntnisse nicht übertrieben hatte und begann barmherzig, mir die einzelnen Exponate zu erklären. Er schaffte es irgendwie, dass ich Physik spannend fand. Besonders hatte es mir als Musiker natürlich der Raum mit den alten Instrumenten angetan. Ich war überrascht, wie gut mir das Technische Museum gefiel.

Insgesamt verbrachten wir 4 Stunden zwischen den Exponaten. Wir schauten uns alles an und legten immer wieder mal Tratsch-Pausen ein. Danach ging es noch auf einen Kaffee, wo mir dann auch endgültig klar wurde: Ich hegte keinerlei romantischen Gefühle für den "echten" Philip. Er war mir allerdings super-sympathisch. Ihm ging es offensichtlich ähnlich. Nach diesem ersten Treffen begannen wir wie selbstverständlich wieder zu chatten. In unregelmäßigen Abständen trafen wir uns auch persönlich. Selbst als wir beide dann in Beziehungen waren, riss der Kontakt nicht ab.

Ich hätte niemals gedacht, über Tinder eine Freundschaft zu finden. Und nebenbei bekam ich auch noch eine Gratis-Führung durch das Technische Museum!

© Marcela 2020-07-17

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