skip to main content

#nahrungsmittel

ISS' WOS GSCHEITS!

  • 43
ISS' WOS GSCHEITS! | story.one

Ich griff im Supermarkt in die Tiefkühltruhe und entschied mich diesmal für Mehlwürmer. Sie sind in Österreich als Nahrungsmittel schon seit Jahren zugelassen als neuartiges Lebensmittel und können der EU-Kommission zufolge als Snack oder Zutat verwendet werden, etwa in Protein- und Nudelprodukten, Brot oder Keksen.

Die Pandemie hat, zumindest was meinen Lebensstil angeht, auch positive Effekte. Ich nehme mir mehr Zeit zum Kochen. Omnivoren, die alles essen, werden omnipräsenter. Die treibende Kraft dahinter sind Gedanken zur Nachhaltigkeit. Von Kopf bis Fuß beim Tier und von Wurzel bis Stängel beim Gemüse wird alles verwertet. Essen muss jeder und dabei den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten ist das Ziel. Schmecken soll es auch noch und schon ist man mittendrin in der Welt der Allesesser, die zeigen, dass Innereien wie auch Insekten oder Gemüsereste großartig schmecken können.

Da ich mir, so wie die meisten Menschen nicht die Mühe mache, die klein gedruckten Zutatenlisten der Lebensmittel zu lesen oder diese oft gar nicht zur Verfügung stehen wie bei Brot, Gebäck und unverpackte Wurstprodukte und auch in Lokalen, werden langfristig wohl mehr Menschen diese Tierchen in irgendeiner Form essen und köstlich finden, ohne das überhaupt zu bemerken. Gerieben als Mehl ist es sicherlich ein Zusatz für viele Produkte, um den Eiweißanteil zu erhöhen. Sicherlich sehr gut für Eiweißriegel, Eiweißpulver für Shakes. Es schwören ja viele derzeit für Low Carb. Bis es sich durchsetzt, die Tierchen in ihrer normalen Form zu genießen, wird es wohl länger dauern.

Ich faschierte sie, würzte scharf mit Chili, formte die Masse zu Fleischlaibchen, briet sie und machte mit Ketchup einen Burger. Als mein Sohn kam, stürzte er sich über die Mehlwürmer-Laibchen. Ich beobachtete ihn als Vorkoster. Es schien ihm zu munden. Mit Vorbehalt schnitt ich mir ein Stück ab. Abgesehen davon, dass das richtig gut schmeckt, ist es auch ein sehr gesundes Nahrungsmittel. Also kaum Fette, dafür viel Protein und die Produktion ist nachhaltiger als Fleisch sowieso und auch als so manche Gemüsesorten. Gefriergetrocknet und zu Mehl vermahlen ist auch der optische Aspekt keine Hürde mehr und ich kann nur jedem empfehlen, das mal zu kosten. Ich hoffe, dass die Würmer in Lebensmitteln auch entsprechend deklariert werden. Oder werden sie stillschweigend überall hineingemischt vom Brot über Pizza bis hin zu Marmelade? So wie überall Palmöl und überall Zucker drin ist. Da in der Lebensmittelindustrie oft nur der Preis zählt, kommt es wohl darauf an, was billiger ist, zum Beispiel Milcheiweiß oder doch Mehlwurmeiweiß?

Bald könnte sich das Sprichwort bewahrheiten: „In der Not frisst der Teufel Fliegen“. Heuschrecken, Grillen & Co, das Superfood der Zukunft, versteckt hinter einer E-Nummer.

Meinem Sohn verriet ich nicht mein Geheimnis.

© Margaretha Husek 2021-07-22

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.