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#1sommer1buch#rebelgirls#normalanders

Camperleben eben

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Camperleben eben | story.one

Einfach drauf los fahren- so nehme ich es mir vor. Es geht Richtung Osten. Auf der Autobahn fährt ein Womo vor mir, ich lese: 'Ankommen ist nicht das Ziel, sondern unterwegs sein'. Wie passend. Am Diemelsee bin ich müde und lege einen Stop ein. Die Rezeption ist unbesetzt, auf mein Klingeln kommt eine mürrische Frau. Erster Satz: „Was wollen Sie?" Zweiter Satz: „Der Hund bleibt aber draußen!" Dritter Satz: „Duschen und WC können Sie aber nicht benutzen." Ich höre heraus: „Wollen Sie wirklich hier bleiben?" Für 5 Euro? Na klar! Es wird eine ruhige Nacht, mit Abendrunde am Hundestrand! In dieser Nacht gibt die Batterie schon kurz nach Einbruch der Dunkelheit den Geist auf. Der Kühlschrank brummt nicht mehr, die alte Taschenlampe funkelt noch- auch gut.

Ich melde mich in Goslar bei meiner Freundin an. Sie hat Sorge mir könnte es vor ihrer Garage nicht gefallen. Ganz ehrlich? Umsorgt von so viel Herzlichkeit gibt es kaum bessere Plätze. Strom ist da und Wasser auch. Leckeres Essen, lachende Augen. Ihr Mann fragt erschrocken: „Was läuft denn da aus?" „Nur Wasser", beruhige ich ihn. Er kennt sich nämlich mit Fahrzeugen gut aus, hier bekäme ich sogar Pannenhilfe. Und eine strahlend helle Taschenlampe mit Flashlight hat er auch für mich! Was soll jetzt noch schief gehen?

Am Scharmützelsee kommt mir die Empfangsdame schon aufgeregt entgegen und fragt, ob ich vorher angerufen habe. Nein? Obwohl noch viel Platz ist schickt sie mich fort. So seien die Regeln, belehrt sie mich. „Un' Sie brauchen det auch jar nischt erst bei die anneren versuchen!" Schon klar, die haben dieselbe Regel. So sind sie, die kleinen Corona-Auswüchse. An diesem Abend beschließe ich mich den Regeln zu fügen und rufe an- Platz bekommen ;-).

Der Platzwart am Peetzsee weist mir eine Stelle gleich vorm Klohäusel zu und freut sich, mir so einen praktischen Platz anbieten zu können. Er wundert sich über meinen kritischen Blick. „Finden Se den nischt jut?" Nee, da hör ich nachts die Türen klappern und die Klospülung rauschen. Ich mag's lieber etwas abseits. „Det hab ick ja noch nie jehört, die Kloooospülung…", murmelt er sich in den Bart, während wir zu einem anderen Platzteil laufen. Mannomann, bin ich wählerisch…

Natürlich habe ich allein auf Reisen die Ohren gelegentlich bei den Nachbarn. Vorm Wohnwagen der Dauercamper gegenüber sitzen zwei betagte Paare. Alle sprechen durcheinander, aber einen Satz höre ich deutlich heraus: „Darum ist es JA, weil es nicht NEIN ist." Und dann: „Ich sach et ja nur." Bei soviel Durcheinander muss es aber auch wirklich mal gesagt werden!

Ankunft auf dem Campingplatz in Penzlin. Ich bin eh genervt, weil alles so rammelvoll ist und ich weit fahren musste. Endlich ein nettes Plätzchen auf einer Kuhweide gefunden öffne ich die Tür, um die Vorderreifen aufzubocken. Eilig kommt Herr Nachbar Dick von Doof angerannt: „Machen Sie sofort ihr Radio leise!" Au, das hätte ich wissen müssen- falsches Genre, Freunde finde ich hier wohl nur mit Volksmusik...

© Mariefu 2020-09-19

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