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#bücherkoffer

Wir finden uns in Au…

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Wir finden uns in Au… | story.one

Große Fenster geben den Blick auf die blühenden Beete und die blaugrüne Donau frei. Am Vortag begrüßt mich ein fröhlich strahlender Gastwirt. Ob er es war, mit dem ich „ins Ausland" telefonierte? „Du kannst dir den schönsten Stellplatz aussuchen. Tisch reservieren? Nicht nötig!" Er zwinkert. Ich stelle mich mit dem Bulli vor den Badeteich und genieße einen herrlichen Sonnenuntergang. Gräser, Bäume und bunte Hütten spiegeln sich im glatten Wasser.

„Hoffentlich finde ich euch." Andreas Trimmel hat sich auf den weiten Weg von Pressbaum nach Au an der Donau gemacht. Ich versichere ihm: „Wir finden dich!" Er ist noch unterwegs und auch von Ferdinand keine Spur, als LillyRuth, Gerlinde Riegler-Aspelmeyer, eintrifft. Wir kennen uns aus Linz und begegnen uns immer wieder in unseren Geschichten oder Nachrichten. Diese starke, bewundernswerte Frau mit feinen Gesichtszügen und Lachfältchen, sitzt strahlend mir gegenüber und legt Geschenke auf den Tisch. „Mein Sohn hat die Banderole abgerissen", entschuldigt sie sich. „Mir wird der Honig trotzdem schmecken!" Wir lachen.

Nachdem Ferdinand zu uns gestoßen ist und dringend vor die Türe muss, spazieren wir Frauen kurz zum Bulli. Wir fotografieren uns gegenseitig. Sie wirkt wunderschön vor der Teichkulisse. Hinter dem Bulli entsteht ein Bild mit mir und Bücherkoffer.

Andreas hat uns inzwischen gefunden. Er holt Bücher für jeden hervor und wie bei einer wundersamen Vermehrung stapeln sich immer mehr davon auf dem Tisch. Stifte werden durchgereicht, Widmungen geschrieben und ein reger Austausch über die Entstehung und Wirkung von Geschichten beginnt.

„Da hast du plötzlich in unserem Wohnzimmer gesessen…", berichtet Gerlinde, die ihren Kindern die Geschichte von Bono, „Trauriges Vorspiel", vorgelesen hatte. Auch ich kann nur bestätigen, dass ich bei ihren wunderschönen Wanderungen auf seltsame Weise ganz bei ihr bin.

„Mir kommen die besten Ideen immer dann, wenn ich auf'm Häusel sitz'...". Ferdinand Planegger gibt seine Geschichten zum Besten. Keiner von uns hätte auch nur annähernd Schillerndes aus der Vergangenheit zu erzählen wie dieser junggebliebene, schelmisch grinsende Grauhaarige. „Wisst's ihr eigentlich, wie ich mal 17000 Schillinge in Berlin durchgebracht habe?" „Was? Echt jetzt?" Er lacht über seine Erinnerungen an eine vielleicht wenig vernünftige, aber vergnügliche Zeit. „Hätt' ich all das nicht gemacht, was gäb's dann heute zu erzählen?"

Andreas' Geschichten sorgen immer für einen heiteren Moment, wenn ich ihn brauche. Ebenso mag ich seine poetisch-romantische Seite, die noch selten zum Ausdruck kommt. In sich ruhend, freundlich, sympathisch sitzt er mir schräg gegenüber und beteuert, der Weg sei doch nicht weit gewesen- nur 1 Std. 20 Minuten…

Am kommenden Morgen bestätigt sich mein Verdacht- neben den netten Widmungen versüßen mir auch Honig und Aronia-Marmelade den Start in den neuen Tag, der mir den Weg in Richtung Waldviertel weist.

© Mariefu 2021-07-11

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