skip to main content

#erschöpft#koala#ruhefinden

Koala

  • 357
Koala | story.one

Hinter den Augen drĂŒckt ein Streif gleich einer innerlich festgezurrten Augenbinde. Zwischen den Eingeweiden und den letzten Rippen pocht etwas lebendiges. Ich will leben und habe Feuer mitgebracht. Warum bin ich dann so dermaßen erschöpft? Die Gliedmaßen wehren sich gegen lĂ€ngere Bewegungen und der Dimmschalter in meinem Hirn dreht sich allzu leicht hinunter. Ich mache Fehler die ich nie gemacht habe. Bin nicht mehr der hundert Prozent zuverlĂ€ssige Kollege. Mit Punkt 15 Uhr ist mein Arbeitspensum erreicht. Blöderweise geht der Dienst meist noch 4 Stunden weiter. 12 gottverdammte Stunden in der Arbeit. Es war nie ein Problem. Nun fange ich mit einem LĂ€cheln an und beende es mit der Augenbinde im Kopf. Gerade Zuhause wo es so schöne Stimmen gibt, will ich nichts mehr hören. Geschichten die mein Leben auszeichnen blocke ich ab. Aber nein, in mich geht nichts mehr rein. Fremde Stimmen aus dem Handy wirken wie Eindringlinge. Sie erzĂ€hlen dir was im Leben zu tun ist und was nicht. Auch wenn ich es weiß, wieso darf ich nicht einfach mal nicht mitmachen?

Koalas schlafen beinahe 20 h, und das meist auf einem Baum. Großteile ihrer Wachzeit verbringen sie mit Essen einer Speise. Ein fast mönchisches Verhalten. Ich trĂ€ume mehr als ich arbeite. Menschlichkeitsskalen verkommen im Morast, in dem ich meine Zeit verbrauche. Jetzt ist die Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Wenn sie 20 h schlafen, dann bewegen sie sich mehr in einer Traumwelt als auf der realen. Vielleicht erreichen sie dadurch einen tieferen Bewusstseinszustand, der sie nur Essen lĂ€sst, damit sie weiter trĂ€umen können.

Wieso mache ich dumme Fehler? Im Traum löst sich alles auf und du fliegst wie du schwimmst wie du lĂ€ufst wie du lachst wie du weinst 
 ist es verwegen.. in einer Atempause lĂ€chelnd verweilen zu wollen? Alles lĂ€uft zu schnell und alles vergeht so ewig langsam.

Eine ungeheure Zahl an Koalas verbrannte wĂ€hrend der verheerenden Buschfeuern in Australien. Ich weiß nicht viel von euch. Ich weiß nur, dass ich möchte, dass ihr in Frieden ruht.

Die Welt da draußen brennt nicht nur auf eine Weise. Da gibt es auch noch die digitalen Stolperfallen die dich anfĂŒllen und mit Steinen in den Magen ertrinken lassen.

Ich lebe meinen Traum mit jedem Mal Tinte aufziehen. Mit jedem Strich und jedem Wort. Die BĂŒcher tragen mich nicht fort von hier, sondern hinein in mich und auf den Baum, gepflanzt von anderen.

In meinen KindheitstrĂ€umen sprang ich oft von einer BrĂŒcke in die Mur, neben der ich aufwuchs, um aufzuwachen. Die BrĂŒcke wurde versetzt und der Fluss liegt da wie ausgeweidet. Meine FlĂŒgel scheinen gebrochen, die Kindheit ist vorĂŒber. Was geschehen ist, ist geschehen. Die Pause ist das Gegenteil von UntĂ€tigkeit. Ach, ich kann nicht behaupten, sie nicht wahrzunehmen, die Wolke, die um die Erde kreist. Mit der Weisheit der Opfer. Stumme Schreie. Ein Koala vor meinen inneren Augen. Komm zur Ruhe. Du bist erschöpft. Nun zieh ich einmal noch die schwarze Tinte auf. Schreibe ein Wort mit Kraft. KOALA

© Mario Schemmerl 2021-10-16

ResilienzBurnouts

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.