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#mutterschaft#selbstliebe#pandemie

Karpfenfrau

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Karpfenfrau | story.one

Glänzende Schuppen überziehen ihre Haut. Schillern grünlich und silberfarben. Die Beine paddeln und stoßen gegen den Rand. Das Fenster steht offen, Dampf zieht hinaus. Es war heiß geworden in diesem Jahr, unter der Erde brodelte es und die Welt drohte zu schmelzen. Und während es da draußen immer heißer wurde, war sie zu einem Wasserwesen geworden. Keine Meerjungfrau, eher eine Karpfenfrau. Sie versucht, eine Bahn zu ziehen, voranzukommen in der Enge. Über ihr der Dampf unter ihr die Keramik. Sie hatte ein Kind bekommen in diesem Jahr, auch in einer Badewanne. Es weint und schreit im Nebenzimmer. Ein Weiteres war ein Jahr älter geworden. Unendliche Bedürfnisse. Kuscheln und halten, füttern und streicheln, wickeln und pflegen. Und so pflegt sie sich selbst und gießt Öl und Schaum ins heiße Wasser. Es gibt nicht viel Luft. Es raucht und stinkt nach Teer da draußen, hier in ihrem Bad riecht es nach Lavendel, Hanf und Passionsblume. Sie taucht unter und atmet. Das erste Mal in diesem Jahr.

© Marlene Borchardt 2021-04-07

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